Böse Träume

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Emanuel Geibel: Böse Träume (1833)

1
Ich ließ mein Rößlein grasen
2
Im Wald an Baches Rand
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Und lag auf kühlem Rasen
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Und dacht' ans Vaterland.
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Und bei des Baches Rinnen
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Entschlief ich unterm Baum;
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Da wob vor meinen Sinnen
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Ein dreifach Bild der Traum.

9
Ich sah ein Volk von Immen,
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Das ohne Weisel fuhr
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Und mit verworrnen Stimmen
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Hinschwärmte durch die Flur.
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Nach allen Winden zogen
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Sie ziellos kreuz und quer
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Und hatten sich bald verflogen
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Und fanden sich nimmermehr.

17
Ich sah ein Bündel Pfeile
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In blöder Knaben Hand,
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Die trieben kurze Weile
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Und lösten Ring und Band.
21
Sie spielten mit den Rohren
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Uneins und ungeschickt;
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Die Hälfte ging verloren,
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Die Hälfte ward zerknickt.

25
Ich sah, wie ein Karfunkel
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Verschmäht am Kreuzweg lag;
27
Von Staube war er dunkel,
28
Zerspellt von Stoß und Schlag.
29
Die Krone der Welt zu schmücken
30
Geschaffen deucht' er mir;
31
Nun haschte nach den Stücken
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Der fremden Raben Gier.

33
Da wacht' ich auf beklommen
34
Und stieg zu Roß in Hast;
35
Die Sonne war verglommen,
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Das Spätrot war verblaßt,
37
Im kühlen Abendschauer
38
Von dannen ritt ich stumm.
39
Mein Herz verging in Trauer
40
Und wußte wohl, warum.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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