Von langer Reise kam ich heim, so träumte mir

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Emanuel Geibel: Von langer Reise kam ich heim, so träumte mir Titel entspricht 1. Vers(1833)

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Von langer Reise kam ich heim, so träumte mir,
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Und trat ins Haus, mein süßes Weib – ich wußte nicht
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Im Spiel des Traumes, daß sie mir gestorben war –
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Ans Herz zu drücken nach so manchem öden Tag,
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Und fast verging in Ungeduld die Seele mir.
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Doch wie ich fragte, hieß es, daß sie droben sei
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Im obern Stockwerk: raschen Fußes stürmt' ich denn
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Hinan die Treppen, aber nirgends fand ich sie.
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Und wieder höher wies man mich, und wiederum
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Von dort hinaufwärts über Stufen ohne Zahl
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Zu klimmen hatt' ich, bis zuletzt im obersten
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Geschoß ein glänzend heller Saal sich öffnete.
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Da saß sie zwischen fremden Blumen, stillvertieft,
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Das Haupt gelind zur Seite neigend, ganz wie sonst,
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Wenn sich in ernstes Sinnen ihr Gemüt verlor,
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Nur himmlisch schöner. Süße Düfte wallten rings,
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Und solche Klarheit war umher, daß ich verstummt,
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Vom Glanz geblendet auf der Schwelle zauderte.
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Sie aber wandte, wie den Kelch im Sommerhauch
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Die Lilie wendet, sanft zu mir das Antlitz her
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Und sah mich an voll Liebe, daß das treue Licht
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Der braunen Augen tief mir in die Seele drang,
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Sie ganz erfüllend. Aber als ich nun nach ihr
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Die Arme breitet', ach, da war das holde Bild
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In Duft zerronnen plötzlich dem Erwachenden.
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Kühl floß der Mondschein über mein verwitwet Bett,
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Und heiße Tränen weint' ich in den Schoß der Nacht.

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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