Gisella

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Emanuel Geibel: Gisella (1833)

1
Du bist nicht schön noch rein von Fehle;
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Doch ob die Welt auch hart gesinnt
3
Dich unter die Verlornen zähle:
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Du rührst das Herz mir, armes Kind.

5
Denn mitten unter Schein und Lüge,
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Verdeckt von leichter Schlacke nur,
7
Erkenn' ich noch an dir die Züge
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Der gottbegnadeten Natur.

9
Schien je ein hold Gefäß erkoren
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Zum Dienst der Kunst, die du erwählt,
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So warest du's, der angeboren,
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Was hundert Vielbekränzten fehlt:

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Der stumme Zauber der Gebärde,
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Die Stimme, welche Tränen spricht,
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Für alles Glück und Weh der Erde
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Der Schrei, der aus dem Herzen bricht.

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Doch weit ist's von der Kraft zum Siege,
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Wenn ihr das Glück die Hand nicht bot;
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Wohl stand die Mus' an deiner Wiege,
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Doch bei der Muse stand die Not.

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Und was als lichtes Angebinde
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Die
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Die andre hüllt' es, ach, dem Kinde
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In Dust und Spinnweb trostlos ein.

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Kein Sternbild sahst du leitend funkeln,
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Kein Führer ging dir treu voran;
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Du tastetest allein im Dunkeln
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Dich fort auf ungewisser Bahn.

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Jung, ratlos, ohne Schutz und Pflege,
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Vom eignen heißen Blut verwirrt –
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Wer hebt den Stein auf, wenn vom Wege
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Sich ahnungslos dein Fuß verirrt!

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Emporgeblüht auf sonn'gen Matten,
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Wärst du vielleicht der Stolz der Flur,
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Nun brachtest du's, verblaßt im Schatten,
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Zu einer kargen Blüte nur.

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Die Perle, die, vom Staub gereinigt,
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Für keine Krone zu gering,
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Verloren unter Sand und Steinicht
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Zertrat sie, wer vorüberging.

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Und doch, um die zersprungnen Stücke
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Spielt noch ein Glanz so echter Art,
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Daß ich die Träne nicht zerdrücke
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Um das, was hier verloren ward.

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Ach, fast bedünkt's mich jetzt ein Segen,
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Daß du dahingehst leichtgeherzt,
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Kaum ahnend,
48
Und welche Zukunft du verscherzt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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