Valet muß ich dir geben

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Emanuel Geibel: Valet muß ich dir geben Titel entspricht 1. Vers(1833)

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Valet muß ich dir geben,
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Du alte Lindenstadt;
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Schon glüht an deinen Reben
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Wie Purpur Blatt um Blatt;
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Schon stiebt es von den Wipfeln,
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Und dunkler treibt der See,
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Und auf der Berge Gipfeln
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Erglänzt der erste Schnee.

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Du bist mir hold gewesen;
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So nimm des Gastes Dank,
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Der hoffnungsvoll Genesen
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Aus deinen Lüften trank,
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Den nach verjährter Plage
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Am grünen Flutenring
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Durchsonnter Frühherbsttage
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Beglückte Rast umfing.

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Da lernt' ich fromm aufs neue
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Die Stimmen all verstehn,
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Die durch des Himmels Bläue
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Im Zug des Windes gehn;
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Was in den Wellen schauert,
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Was in des Waldes Grund
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Sehnsüchtig glänzt und trauert,
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Noch einmal ward's mir kund.

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Ich sah, wenn längst versunken
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In Schwarz der Täler Grün,
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Am Schneehorn purpurtrunken
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Ein heiß Erinnern glühn;
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Wo grimm durch Klippenbogen
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Der Gießbach Bahn sich schuf,
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Erscholl mir's aus den Wogen
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Wie trotz'ger Jubelruf.

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Und wie im segelhellen,
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Besonnten Griechenschiff
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Mich einst auf blauen Wellen
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Das Lied Homers ergriff,
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Sprach hier in dunklen Zungen
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Aus Felsgeklüft und Tann
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Der Geist der Nibelungen
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Geheimnisvoll mich an.

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Versenkt in tiefes Lauschen
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Oft saß ich bis zur Nacht;
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Da kam's wie Adlersrauschen
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Auf mich herab mit Macht;
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Durch meinen Busen zückte
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Verwandter Drang und Klang,
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Und was mich hob und drückte,
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Ward flutender Gesang.

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O stillvertiefte Stunden,
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Labsal der Sängerbrust,
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Wohl seid ihr hingeschwunden
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Rasch mit des Sommers Lust.
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Doch wallt das Herz lebendig
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Mir auf nach eurer Ruh',
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Und frohgekräftigt wend' ich
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Der Heimat heut mich zu.

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Dort winkt mir nach der Muße
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Manch liebgewordne Pflicht;
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Es winkt mit hohem Gruße
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Des Herrschers Angesicht,
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Der, jedem Flügelschlage
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Des deutschen Geistes hold,
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Der Hoffnung künft'ger Tage
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Ein licht Panier entrollt.

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Die Kunst in Laub und Blume
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Umwob des Vaters Thron;
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Nun ringt mit solchem Ruhme
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Gedankenvoll der Sohn.
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Den Ernst der Weisheitschule
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Gesellt er jenem Flor
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Und neigt vom Königstuhle
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Dem deutschen Lied sein Ohr.

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Wohl mag ich treu ihm danken,
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Der für den Wanderstab
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Mir frommen Wirkens Schranken,
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Mir Herd und Heimat gab,
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Und, weil er selbst tiefinnen
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Die heil'ge Flamme nährt,
79
Mit fürstlich hohen Sinnen
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Des Dichters Freiheit ehrt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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