Gudruns Klage

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Emanuel Geibel: Gudruns Klage (1833)

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Nun geht in grauer Frühe
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Der scharfe Märzenwind,
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Und meiner Qual und Mühe
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Ein neuer Tag beginnt.
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Ich wall' hinab zum Strande
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Durch Reif und Dornen hin,
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Zu waschen die Gewande
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Der grimmen Königin.

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Das Meer ist tief und herbe,
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Doch tiefer ist die Pein,
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Von Freund und Heimatserbe
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Allzeit geschieden sein;
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Doch herber ist's, zu dienen
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In fremder Mägde Schar,
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Und hat mir einst geschienen
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Die güldne Kron' im Haar.

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Mir ward kein guter Morgen,
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Seit ich dem Feind verfiel:
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Mein Speis' und Trank sind Sorgen,
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Und Kummer mein Gespiel.
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Doch berg' ich meine Tränen
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In stolzer Einsamkeit;
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Am Strand den wilden Schwänen
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Allein sing' ich mein Leid.

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Kein Dräuen soll mir beugen
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Den hochgemuten Sinn;
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Ausduldend will ich zeugen,
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Von welchem Stamm ich bin.
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Und so sie hold gebaren,
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Wie Spinnweb acht' ich's nur;
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Ich will getreu bewahren
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Mein Herz und meinen Schwur.

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O Ortwin, trauter Bruder,
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O Herwig! Buhle wert,
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Was rauscht nicht euer Ruder,
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Was klingt nicht euer Schwert!
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Umsonst zur Meereswüste
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Hinspäh' ich jede Stund':
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Doch naht sich dieser Küste
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Kein Wimpel, das mir kund.

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Ich weiß es: Nicht vergessen
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Habt ihr der armen Maid;
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Doch ist nur kurz gemessen
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Dem steten Gram die Zeit.
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Wohl kommt ihr einst, zu sühnen; –
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Zu retten, ach, zu spät,
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Wann schon der Sand der Dünen
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Um meinen Hügel weht.

49
Es dröhnt mit dumpfem Schlage
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Die Brandung in mein Wort;
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Der Sturm zerreißt die Klage
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Und trägt beschwingt sie fort.
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O möcht' er brausend schweben
54
Und geben euch Bericht:
55
»wohl lass' ich hier das Leben,
56
Treue lass' ich nicht!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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