Herakles auf dem Öta

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Emanuel Geibel: Herakles auf dem Öta (1833)

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Halt aus! Und ob's wie fressend Feuer auch
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Bis ans Gebein dir zehrt: dies ist das letzte,
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Was du zu dulden hast, halt aus, mein Herz!

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In Qualen noch des Todes preis' ich dich,
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O Vater Zeus, Erhabner; denn ich weiß,
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Du hast dem Sohne, dem in Sterblichkeit
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Geborenen, auch dies zum Heil verordnet
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Und ziehst durch Leid und Hitze, den du liebst,
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Weil er dich sucht, in deine Klarheit nach.

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Aus eitel Kampf und Mühsal webtest du
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Mein irdisch Los, und wie des Ringers Stunde
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Am Tag der Spiele ging mein Leben hin.
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Hab' ich vom Aufgang bis zum Niedergang
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Den Erdkreis nicht bewandert? Hab' ich nicht,
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Der nackte Mann, gerungen bis aufs Blut
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Mit all der Riesenbrut der schwangern Wildnis,
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Die, aufgequollen aus dem Element,
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In trotz'ger Urkraft jeder Sühnung lachte,
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Bis diese Sehnen ihre Wut erdrückt?
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Hab' ich nicht deines Himmels stolz Gewölb'
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Getragen auf den Schultern hier und bin
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Hinabgestiegen zu den Pforten drunten
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Der ew'gen Nacht, daß ich den Wächter dort
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Mit meiner Hand, den grimmen, bändigte?

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Nicht reut der Arbeit mich. Im Schweiß des Kampfes
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Wuchs in der Brust der Kühnheit Blüte mir,
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Des Harrens Mut, und meiner Glieder Kraft
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Ward wie geschmiedet Erz. Doch preis' ich dich
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Um Größeres. Denn wo die Brüder mir
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Trostlos verzagten oder eingehüllt
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In dumpfen Trotz unwillig nur dem Schicksal
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Wie einer maßlos fremden Macht sich beugten,
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Da gabst du mir's, durch alles Irrsals Graus
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Das Walten deiner Segenshand zu ahnen;
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Und immer, wenn ich der gewalt'gen Not,
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Der unbeugsamen, fest ins Auge blickte,
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Zuletzt erkannt' ich in den strengen Zügen
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Auch so Verheißung lächelnd niedersah.

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Heil mir! Denn wieder wie durch Schleier seh' ich's
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Zu dieser Stunde. Horch, schon rollt, schon rollt
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Um Ötas Gipfel aus entwölktem Blau
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Dein naher Donner Gnade kündend her,
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Und winkend zuckt wie Adlerflügelschlag
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Dein Blitz herab. Hab' Dank, hab' Dank, es lodern
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Um mich die Scheiter; über, unter mir
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Schlagen der Lösung Flammen jauchzend auf,
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Und wie das Staubgeborne endlich, endlich
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Gleich wie ein mürb Gewand herniederflockt,
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Trägt mich des Rauches blühend Goldgewölk
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Hinauf, hinauf zu dir, und schauernd trink' ich
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In deinem Odem, der von oben mir
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Begegnet, Jugend und Unsterblichkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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