Zum erstenmal, nachdem in Lust und Leid

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Emanuel Geibel: Zum erstenmal, nachdem in Lust und Leid Titel entspricht 1. Vers(1833)

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Zum erstenmal, nachdem in Lust und Leid
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Ich manches Lied zum Spiel den Winden gab,
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Betret' ich heut der Bühne wechselnd Reich;
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Und nicht mit leichtem Sinne. Nein, ich weiß,
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Daß Großes ich mit junger Kraft gewagt.
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Denn nicht geziemt es mehr, den Müßiggang
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Im götterlosen Haus durch flücht'gen Reiz
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Und kurze Überraschung zu zerstreun;
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Es sei die Bühne, was dereinst sie war,
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Ein Heiligtum; es sei das Trauerspiel
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Ein dunkler Spiegel, drin, zum Bild gefaßt,
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Das ewige Gesetz des Weltengangs
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Gestaltenreich dem Volk sich offenbart.

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Drum wolle keiner, der in Zeit und Vorzeit
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Des Gottes mächt'ges Schreiten nie vernahm
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Und nicht die Sühnung kennt und nicht das Maß,
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Hier Priester sein. Und wer zu opfern kommt,
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Sei reines Sinns und nahe sich in Ehrfurcht
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Der ernsten Muse, der gewaltigen,
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Die hochherwandelnd Tat und Missetat
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Der Sterblichen in erzner Schale wägt.

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So tret' auch ich heran, und wie ich schreite,
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Bewegt ein leiser Schauer mir die Brust,
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Doch hebt mir
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Nach Würdigem, und wer des Lebens Kraft
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An Großes setzt, den führet gern ein Gott
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Zuletzt ans Ziel, ob er auf seiner Bahn
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Auch viel erdulden müsse.

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Langsam ringt
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Im dunkeln Schacht die Flut, bis hoffend sie
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Hervorspringt und das heißersehnte Licht,
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Den goldnen Tag mit klaren Augen grüßt;
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Auch dann noch rinnt sie leiser durchs Gestein,
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In steter Krümmung ihre Pfade suchend;
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Doch gnädig schließet sich der Himmel auf
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Und schickt den frischen Wolkensohn, den Regen,
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Und sendet ihr die fröhlichen Geschwister,
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Die felsgebornen, vom Gebirg' herab.
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Da schwillt sie kühn empor, gekräftigt bricht sie
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Durch Klippentrümmer sich die eigne Bahn,
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Und endlich, siegreich durch die Täler wandelnd,
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Tränkt sie die Flur, und spiegelt sie die Sonne,
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Ein goldner Strom des Segens.

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Also reift
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Auch Weisheit langsam, und ein andres bringt
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Der Jugend rascher Sinn, ein anderes
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Aus reichem Schatz des Manns geprüfter Geist.

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Ich habe heute nur ein Jünglingswerk;
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Doch leg' ich's dankbar als die einz'ge Gabe,
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Die deinesgleichen ich zu bieten weiß,
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In deine Hand, o Fürst, der freundlich du
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Die schlimmste Musenstörerin, die Sorge,
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Mit holdem Wink von meinem Tisch gescheucht.
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So nimm es hin, und ob auch viel gebricht:
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Vergib es lächelnd, daß der frische Quell
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Vom künft'gen Strome leise rauschend träumt,
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Zu kühn vielleicht – denn Hoffnung, Mut und Kraft
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Genügen nimmer, wenn von goldner Wolke
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Der schöne Gott nicht segnend niederschaut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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