In kühler Morgenstunde, da der junge Tag

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Emanuel Geibel: In kühler Morgenstunde, da der junge Tag Titel entspricht 1. Vers(1833)

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In kühler Morgenstunde, da der junge Tag
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Mit rosenroten Wangen noch auf den Bergen lag,
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Da war auf Alfheims Heide gewalt'ger Schall erwacht;
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Von Alfs und Sigurds Mannen begonnen wurde die Schlacht.

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Unter Rosseshufen erzitterte der Grund,
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Die Helmbüsche wallten, die Fähnlein flogen bunt;
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Hei, wie die Splitter stoben, wie krachten Stang' und Spieß,
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Wenn blank in Erz gerüstet Geschwader auf Geschwader stieß!

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Hell auf Schild und Panzer der Schwerter Schlag erscholl,
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Der Pfeilhagel klirrte; als wie aus Brünnlein quoll
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Das rote Blut dazwischen. Sie rangen Mann an Mann,
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Daß hoch der Staub in Wolken daherzuziehn begann.

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Auf ehernem Streitwagen König Sigurd stand
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In lichtem Stahlgeschmeide. Er führte beiderhand
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Einen Flambergen, des Klinge flammte gut;
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Es hatten sie die Zwergen gehärtet einst in Drachenblut.

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Er trug auf seinem Helme Geiers Haupt und Klaun,
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Aus klarem Gold getrieben, hellblitzend anzuschaun;
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Durch die Feldschlacht führt' ihn der windschnelle Huf
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Seiner schwarzen Hengste, die lenkt' er mit dem Ruf.

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Dem Könige zur Seite ritt sein starker Sohn,
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Ragnar, der Vielgrimme. Bärtig war er schon
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Und war noch fast ein Knabe; das Fechten dünkt' ihm Spiel,
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Er sang darein und lachte, wenn schwer sein Hammer niederfiel.

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Er sang: »Wohl auf der Walstatt steht ein Rosenhag,
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Da ein Mannesherze mit Wonne pflücken mag.
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Geöffnet sind die Türen zu Walhalls Heldenruh':
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Wohlauf, ihr Walküren, ich trink' euch manchen Becher zu.«

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Wo der Schlacht Getose am lautesten erscholl,
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Da suchten sie die Pfade; es wurden Blutes voll
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Des Streitwagens Räder. So drangen sie heran
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Auf die Alfheimsrecken, die Waffen schufen Bahn.

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Da Herr Alf im Barte Sigurd Ring ersah
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Mit dem Goldhelme, zu Erek sprach er da:
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»den Geier seh' ich fliegen, der solche Not gebracht
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Auf unser weißes Täublein; nun gilt es kühne Jagd!«

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Mit gehobner Klinge den König lief er an;
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Hei, was es aus den Brünnen zu stäuben da begann
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Von feuerroten Funken! Das ward ein harter Streit;
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Herr Alf gedachte zu rächen den Tod der süßen Maid.

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An Sigurds Panzerringen eine Lücke nahm er wahr,
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Hinein wollt' er stoßen. Da traf ihm schnell Ragnar
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Mit dem Streithammer die Schläfe zornesvoll,
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Daß er rasselnd stürzte. Sein blonder Bart von Blute quoll;

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Es brach sein grollend Auge, der Odem ihm verging.
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Über seine Leiche hinweg fuhr König Ring,
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Den Streitwagen lenkt' er auf Erek Harfenschall,
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Der hatte wohl gewahret seines Bruders Fall.

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Er hob sich in den Bügeln, die Lanze schwer und scharf
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Nach dem Geierhelme mit Rachemut er warf;
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Da bog der König seitwärts, daß durch den Mantel nur
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Über seiner Schulter das Speereisen fuhr.

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Ingrimmig auf den Schleuderer er trieb das Roßgespann,
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Bis er ihn konnt' erreichen. Mit beiden Händen dann
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Schwang er sein Gewaffen, das blitzt' im Sonnenlicht
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Als wie ein gülden Feuer, doch seinen Mann erlegt' er nicht.

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Des Flambergs Schneide durch Ereks Zäume schoß
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In des Pferdes Nacken. Da bäumte sich das Roß
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Von übergroßem Schmerze und stieg mit steilem Bug,
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Daß hinterrücks der Reiter zu Boden niederschlug.

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Sein Fuß blieb in dem Bügel. Übers Schlachtgefild
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Ward er so geschleifet von dem Hengste wild,
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Sein lichtbraun Haar im Staube, der Züge Lieblichkeit
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Verstellt vom jachen Tode. Das war zu mancher Jungfrau Leid.

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Da die Alfheims-Mannen den Recken fallen sahn,
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Zu weichen sie begannen. Da stob es auf den Plan
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Bald von Waffenlosen; es wälzte sich die Flucht
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Hinauf zu den Bergen, hinab zur Meeresbucht.

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König Sigurd schaut' es, da stieß er freudevoll
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In sein silbern Hüfthorn, daß über Feld es scholl;
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Zuhauf rief er die Kämpen, sie kamen wohlgemut.
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Wie war da mancher Panzer besprengt mit rotem Blut!

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Mit frohen Augen grüßte der König Mann für Mann
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Und hieß am Strand sie lagern. Zum Sohn sprach er dann:
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»du führtest gut das Eisen, Ragnar, du junger Leu,
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Nun sollst du mir erweisen in süßerm Dienste deine Treu.

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Das Feld ist gewonnen, der Feind ist entflohn,
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Nun bringe mir Alfsonnen, den schönen Siegeslohn!
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Hochzeit will ich halten noch heute mit der Maid;
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Wer achtzig Sommer schaute, der hat nicht Wartens Zeit.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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