Menetekel

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Emanuel Geibel: Menetekel (1833)

1
Hei, wie die Tafeln sind geschmückt,
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Wie klar die Kerzen erglommen!
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Wer singt und lacht und Rosen pflückt,
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Der ist zum Fest willkommen.
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Musik erklingt den Saal herauf,
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Schöne Mädchen warten auf
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In leichten, losen Gewanden.

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Sie tanzen um das goldne Kalb,
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Sie fallen ihm gar zu Füßen;
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Sie rufen: »Ehe das Laub wird falb,
11
Hilf du die Lust uns büßen!«
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Überschäumt im Kelch der Wein.
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Ich drücke mich stumm in den Winkel hinein;
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Mir schaudert das Herz im Leibe.

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Mir ist's, durchsichtig wird die Wand,
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Und draußen, dicht und dichter,
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Da drängen sich bei Fackelbrand
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Viel tausend Hungergesichter.
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Durchs Gewühl mit ries'gem Leib
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Herschreitet kampfgeschürzt ein Weib
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Mit blutrot flatternder Fahne.

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Und sieh, der Boden wird zu Glas,
23
Und drunten seh' ich sitzen
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Den Tod mit Augen hohl und graß
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Und mit der Sense blitzen;
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Särg' auf Särgen rings getürmt –
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Doch drüberhin wie rasend stürmt
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Der Tanz mit Pfeifen und Geigen.

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Sie haben Augen und sehen's nicht,
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Sie prassen fort und lachen,
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Sie hören's nicht, wie zum Gericht
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Schon Balk' und Säule krachen:
33
Lauter jauchzt der Geige Ton –
34
Ihr Männer, ihr Weiber von Babylon,
35
Mene, Tekel, Upharsin!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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