Ein Lied am Rhein

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Emanuel Geibel: Ein Lied am Rhein (1833)

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Durch diesen Herbstestag voll Sturm
2
Zum Drachenfels empor die Steige!
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Schon winkt zu Häupten mir der Turm,
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Der breite, durch die falben Zweige.
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Da steh' ich - roter Sonnenschein
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Umlodert königlich die Klippe;
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Zu meinen Füßen braust der Rhein -
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Mir schlägt das Herz. O reichet Wein,
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Das volle Glas reicht meiner Lippe!

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Dir sei's, o deutsches Volk, gebracht,
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Dem einen, großen, wundervollen,
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So weit der Himmel um dich lacht
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Und über dir die Donner rollen!
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Was kümmert's mich, auf Stein und Holz
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Wie deiner Wappen Farben streiten!
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Ich meine dich, das jüngst noch stolz
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In Hamburgs Brand zusammenschmolz,
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Korinthisch Erz für alle Zeiten.

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Und wieder füllt den Römer mir!
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Laßt sprühn, laßt sprühn die goldnen Funken!
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Er sei aus vollem Herzen dir
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Zum Preis, o deutscher Geist, getrunken;
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Dir, der sich aus den Tiefen nährt,
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Der gleich dem wilden Sohn der Trauben,
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Wenn er im Lenze braust und gärt,
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Zu süßerm Feuer nur sich klärt,
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Dir Geist voll Liebe, Kraft und Glauben!

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Und nochmals füllt! Und wenn darein
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Die Neigen aus der Flasche troffen:
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Es soll darum nicht schlechter sein;
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Den letzten Becher unserm Hoffen!
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Dem Wort ein fröhlich Auferstehn,
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Dem freien Kampfe der Gedanken!
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Laßt kühn des Geistes Stürme gehn!
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Was Spreu ist, mag wie Spreu verwehn,
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Was Felsen ist, wird doch nicht wanken!

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Vorwärts! heißt unser Losungswort,
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Und durch die Reihen rauscht's im Volke -
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Ein Schneegestöber dräut vom Nord,
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Und dort im Westen murrt die Wolke.
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Vorwärts darum am eignen Herd,
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Daß Jenas Schmach sich nicht erneue!
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Vorwärts! Und wenn's der Tag begehrt,
44
Dann blitz' in jeder Faust ein Schwert,
45
Und Gott mit uns und deutsche Treue!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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