Nun wandelt von den Bergen sacht

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Emanuel Geibel: Nun wandelt von den Bergen sacht Titel entspricht 1. Vers(1833)

1
Nun wandelt von den Bergen sacht
2
Zum See herab die Sommernacht,
3
Und träumerisch mit heißem Sinn
4
Durch ihre Schatten schreit' ich hin.
5
Berauschend schwimmt im Strom der Luft
6
Daher der Rebenblüte Duft,
7
Der Glühwurm webt die lichte Bahn
8
Im Dunkel an des Turms Gemäuer,
9
Und droben glühn mit tiefem Feuer
10
Die Sterne rätselhaft mich an.

11
Dies ist die Stunde, da das Lied
12
Der Sehnsucht durch die Lüfte zieht,
13
Die tief in Wald, Gestein und Flur
14
Der Kern ist aller Kreatur:
15
Der Sehnsucht, die durch Felsen dicht
16
Den Quell emporzwingt an das Licht,
17
Die nach dem Himmel aus dem Wald
18
Mit tausend grünen Armen greift,
19
Aus hartem Stein als Echo hallt,
20
Im irren Wind die Welt umschweift,
21
Die aus der Nachtigallen Kehle
22
Im Silberton hinperlend quillt
23
Und aus der Blumen Auge mild
24
Dich anschaut mit der stummen Seele.

25
O Sehnsucht, die du wie ein Kind,
26
In Schlaf gelullt durch süße Lieder,
27
Doch stets aufs neu' erwachst und wieder
28
Zu weinen anhebst leis und lind,
29
Wie nimmst du heut mir Herz und Sinn
30
Mit deiner Klage ganz dahin!
31
Mir ist's, ich müßte Flügel heben
32
Und körperlos ins Weite schweben,
33
Verschenken müßt' ich wonniglich
34
Mein bestes Sein, mein tiefstes Ich;
35
Den ganzen Schatz der vollen Brust,
36
Andacht und Liebe, Schmerz und Lust,
37
Der innersten Gedanken Hort,
38
Ich müßt' ihn in ein einzig Wort
39
Als wie in güldnen Kelch beschließen,
40
Um ihn verschwendrisch hinzugießen.

41
Umsonst! Kein Wort, sei's noch so groß,
42
Macht dich des tiefen Dranges los,
43
Den heißen Durst der Seele stillt
44
Kein Brunnen, der auf Erden quillt.
45
Wohl wähnt' ich einst in goldnen Stunden,
46
In meines Herzens Maienzeit,
47
Des Rätsels Lösung sei gefunden,
48
Und Minne heile jedes Leid;
49
Doch was so hoch mir war, so lieb,
50
Mir ward es - und die Sehnsucht

51
Darum zur Ruh', mein wild Gemüt!
52
Nicht alles wird hier Frucht, was blüht;
53
Du trägst, der Erde stummer Gast,
54
In dir, was nur der Himmel faßt.
55
Was für und für so ruhelos
56
Dich dunkel treibt auf deinen Wegen,
57
Es ist das erste Flügelregen
58
Des Falters in der Puppe Schoß;
59
Dir selbst bewußt kaum, ist dein Leid
60
Ein Heimweh nach der Ewigkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.