Lied vom Wein

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Emanuel Geibel: Lied vom Wein (1833)

1
Nun grüß' dich Gott, du Himmelstau,
2
Du Ehrenpreis der Rebenau,
3
O Wein, du Kind der Sonnen!
4
Wie blinkst du mich so wohlgetan
5
Aus hellgeschliffnem Becher an
6
Als wie ein güldner Bronnen!
7
O komm empor an meinen Mund
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Und fülle mir das Herz zur Stund'
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Bis auf den Grund
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Mit allen deinen Wonnen!

11
So wie das Licht den Edelstein
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Durchströmt mit seinem klaren Schein,
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Sollst du den Sinn mir klären;
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Und was noch trüb in meinem Mut,
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Das soll hinweg die heil'ge Glut
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Der feuchten Flamme zehren.
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Ich stimme dir dafür zum Zoll
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Ein Lied an aller Freuden voll,
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Das längst mir schwoll
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Im Busen dir zu Ehren.

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Ja, groß ist deiner Wunder Kraft
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In Freud' und wo in Kummers Haft
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Einsam ein Mann mag trinken;
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Du bändigst mild den dumpfen Gram,
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Läßt ihn, zu Tränen wundersam
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Gelöst, im Kelch versinken.
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O köstlich wird der Becher da,
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Wie jener, drin Kleopatra
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Die Perle sah
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Zergehn mit klarem Blinken.

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Es schläft in dir die alte Zeit,
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Die hohe Lust, das süße Leid,
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Der Minne zartes Kosen;
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Es schläft in dir das Lied verschämt,
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Das Lied, das fromm den Sturm bezähmt,
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Wenn Flut und Leben tosen.
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Die Jugend hebt sich wunderbar
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Aus dir empor und kränzet klar
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Das Silberhaar
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Mit frischen Maienrosen.

41
Und was der Mensch, vom Gott bewegt,
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So tiefgeheim im Busen trägt,
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Als sei's der Welt versunken,
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Du pochst mit goldnem Finger dran,
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Bis daß der Schrein sich aufgetan,
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Und seine Schätze prunken.
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Da klingt herauf der Weisheit Wort,
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Da taucht empor der Liebe Hort,
49
Um fort und fort
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Zu glühn in hellen Funken.

51
Und bist du selber nicht, o Wein,
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Ein Spiegel nur und Widerschein
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Vom Wandel unsrer Tage?
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Gebrochen, bis zum Kern versehrt,
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Wirst du zu Glut und Geist verklärt
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Und selbst ein Bann der Plage.
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Dein Feuer süß, das siegreich loht,
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Spricht dann von Glorien nach der Not,
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Und daß aus Tod
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Der Jugend Flamme schlage.

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So komm denn her, du Himmelstau,
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Du Ehrenpreis der Rebenau,
63
Du feurig Kind der Sonnen,
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Du Weckemund zum Harfenton,
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Du königlicher Sangeslohn,
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Du güldner Freudenbronnen!
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Empor im Becher klar und rein!
68
Empor, laß segnend deine Weihn
69
Mir angedeihn
70
Und alle deine Wonnen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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