Herbstklage

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Emanuel Geibel: Herbstklage (1833)

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O weh, wie ist so rasch dahin
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Der grüne Sommer gegangen
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Und hat mir doch den trüben Sinn
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Mit Freuden nicht umfangen!
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Dem Maien wollt' ich bieten Gruß,
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Da hör' ich schon um meinen Fuß
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Die fallenden Blätter rauschen.

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O weh, nun hab' ich wieder ein Jahr
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Geharrt auf Glück und Frommen,
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Und ist das Glück doch nimmerdar
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An meine Tür gekommen;
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Oder es kam in Nächten tief,
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Da ich festen Schlummer schlief,
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Und ist vorübergezogen.

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Mein Leben deucht' mir als ein Traum,
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Den ich geträumet habe;
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Rechter Freude denk' ich kaum,
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Seitdem ich war ein Knabe.
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Tanz und Sang zergeht mit Gram,
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Und wenn die Liebe Abschied nahm,
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Wohl nimmer kehret sie wieder.

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Die Welt ward falsch und eitel Schein,
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Wie soll sie mir gefallen?
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An Bechers Rande blinkt der Wein,
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Doch drunten schwimmen die Gallen.
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Was ich redlich focht, mißlang,
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Was ich fröhlich sang, verklang
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Wie Herbstwind über den Stoppeln.

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O weh, nun bin ich gar allein
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Mit meinem Harm geblieben.
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Dahin mein Jugendsonnenschein!
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Dahin mein Singen und Lieben!
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Der Abend graut, die Luft geht kalt -
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Winter, Winter, kommst du bald,
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Auf meinen Hügel zu schneien?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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