Es ist in leere Nüchternheit die ganze Welt versunken

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Emanuel Geibel: Es ist in leere Nüchternheit die ganze Welt versunken Titel entspricht 1. Vers(1833)

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Es ist in leere Nüchternheit die ganze Welt versunken,
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Und keine Zunge redet mehr vom Heil'gen Geiste trunken;
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Die Poesie, das fromme Kind, ist scheu von uns gewichen,
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Der Himmel dünkt uns trüb und grau, und Sonn' und Mond verblichen;
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Die groß geschaut und groß gebaut, sie schlummern in den Särgen,
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Auf ihren Gräbern kriechen wir als ein Geschlecht von Zwergen,
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Nichts blieb uns als die schlimmste Kunst, zu zweifeln und zu richten,
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Und wenn sich ein Gigant erhebt, so ist er's im Vernichten.

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Wohl grübelt ihr und möchtet gern das große Rätsel lösen,
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Aus welchem tiefverborgnen Quell der Strom sich wälzt des Bösen,
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Ihr eilt geschäftig hin und her, um Wust auf Wust zu türmen,
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Und meint mit eures Witzes Rat den Himmel zu erstürmen,
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Doch seht, nur eines Donners Schlag, nur eines Blitzes Flammen,
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Und eurer Weisheit Pelion und Ossa stürzt zusammen.

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Ich aber sage euch: Fürwahr, es wird nicht anders werden,
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Bis ihr den Blick nicht himmelwärts erhebt vom Staub der Erden,
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Bis ihr dem Geist der Liebe nicht, dem großen Überwinder,
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Demütig euer Herz erschließt und werdet wie die Kinder;
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Denn wo die Liebe wohnt, da hat ein ew'ger Lenz begonnen,
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Da grünen alle Wälder auf, und rauschen alle Bronnen,
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Ihr offenbart sich, was dem Blick der klugen Welt verborgen,
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In trüber Dämmrung sieht sie schon den rosenroten Morgen,
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Das Brausen wird ihr zur Musik, zum Reigen das Gewimmel,
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Helljauchzend steigt ihr Lied empor auf Flügeln in den Himmel,
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Sie ist ein Kind und doch ein Held mit unbesiegten Waffen,
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Und weil sie noch an Wunder glaubt, so kann sie Wunder schaffen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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