Der Einsiedler

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Emanuel Geibel: Der Einsiedler (1833)

1
Wie ward mir das Gewühle
2
Der Welt doch gar zur Last!
3
Es rauscht der Wald so kühle
4
Und lockt zu süßer Rast.
5
Fahrt wohl denn, ihr Beschwerden,
6
Fahr wohl, o Lust der Erden!
7
Ein Siedler will ich werden,
8
Der Wildnis stiller Gast.

9
Mein Wams von Purpursammet,
10
Ich muß dich von mir tun:
11
Mein Schwert, hast ausgeflammet,
12
Ein Grabscheit wirst du nun.
13
Fleuch auf, mein Falk, mit Schalle!
14
Trab' heim, mein Roß, zum Stalle!
15
Der Goldsporn bricht, ich walle
16
Fortan auf Sandelschuhn.

17
Ich will ein Haus mir bauen
18
Hier zwischen Eich' und Tann'
19
Aus Stämmen unbehauen
20
Mit Moos und Flechten dran:
21
Ein Kreuzlein will ich schneiden
22
Aus jenen Hängeweiden
23
Und mich in Felle kleiden,
24
Wie weiland Sankt Johann.

25
Im hohlen Baum die Waben,
26
Sie reichen Honig dar;
27
Nach Wurzeln kann ich graben
28
Die längste Zeit im Jahr;
29
Und dort von fels'ger Schwelle
30
Hüpft braun herab die Quelle,
31
Wie schimmert ihre Welle
32
In hohler Hand so klar!

33
Ein Gärtlein soll umhegen
34
Die dunkle Siedelei,
35
Drin will ich Rosen pflegen
36
Und Rosmarin dabei:
37
Will aus dem Born sie tränken
38
Und, wenn sie welk sich senken,
39
Im Herzen still gedenken,
40
Daß Lieb' ein Schatten sei.

41
Und kommt zu meiner Zellen
42
Ein Reh die grüne Bahn,
43
Das wähl' ich zum Gesellen
44
Und zieh' es treu heran.
45
Auf meinem Bett von Ranken
46
Da ruh' es seine Flanken;
47
Es wird mir besser danken,
48
Als je ein Mensch getan.

49
So will ich Umgang pflegen
50
Mit Rosen, Reh und Hain,
51
Gegrüßt auf meinen Wegen
52
Vom Sonnenstrahl allein;
53
Und jeden Abend treten
54
Will ich zum Kreuz und beten
55
Den
56
»herr, nimm zu dir mich ein!«

57
Und so mich Gott erhöret,
58
Da sei der Forst mein Grab,
59
Wo mich kein Reigen störet
60
Und keines Rosses Trab.
61
Wildröslein, rot und bleiche,
62
Bestatten fromm die Leiche,
63
Es singt von dunkler Eiche
64
Die Nachtigall herab.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.