Platens Vermächtnis

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Emanuel Geibel: Platens Vermächtnis (1833)

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Noch schweift der kräft'ge Geist auf fernen Bahnen,
2
Und rasch durch diese Adern pocht das Leben;
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Doch Stimmen gibt's, geheime, deren Mahnen
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Das Herz umsonst sich müht zu widerstreben,
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Und mir verkündet solch ein dunkles Ahnen:
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Bald muß ich diesen Staub dem Staube geben,
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Und den sie mir im Leben nicht gestatten,
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Der Lorbeer wird auf meinem Grabe schatten.

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Sei's immer. Ich erfüllte meine Sendung,
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Ein rastlos treuer Priester der Kamönen;
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Ich deutete mit jeder leisen Wendung
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Ein Fackelträger nach dem Reich des Schönen.
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Umwallt vom Königsmantel der Vollendung
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Schritt mein Gesang dahin in Feiertönen,
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Und was vordem den Griechen nur gelungen,
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In deutscher Rede hab' ich's nachgesungen.

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Zwar habt ihr selten meinen Ernst begriffen
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Und nie das Ziel bedacht, das ich erkoren;
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Zu meinem Spotte habt ihr grell gepfiffen,
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Denn seine Wahrheit kitzelt nicht die Ohren,
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Und wie der Wogenschlag an Felsenriffen,
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Ging selbst des Liedes Maß an euch verloren;
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Doch wie ihr mich verleugnet und mein Dichten,
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Ich bin getrost, die Nachwelt wird mich richten.

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Ist auch das Saatkorn noch nicht aufgegangen,
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Das ich gestreut in unsrer Heimat Boden,
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Verzagt ihr auch, von Kleinmut noch befangen,
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Des Unkrauts träge Wildnis auszuroden:
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Erscheinen wird der Tag, wo mit Verlangen
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Den Aschenkrug ihr suchet des Rhapsoden,
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Der ringend nach der Schönheit goldnen Früchten
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Vor eurem Groll zum Süden mußte flüchten.

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Dann wird der deutsche Wald von Liedern schallen,
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Die prächtig wie auf Adlersflügeln rauschen,
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Der heitre Süden wird zum Norden wallen,
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Um seines Ernstes Schätze einzutauschen.
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Und heilig wird der Sänger sein vor allen,
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Und fromme Hörer werden rings ihm lauschen.
39
Was soll ich drum den frühen Tod beweinen? -
40
Der Dichter lebt, solang die Sterne scheinen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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