Auf der Akropolis zu Athen

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Emanuel Geibel: Auf der Akropolis zu Athen (1833)

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Bei euch, ihr hohen Säulen, laßt mich weilen,
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Ihr stummen Zeugen wechselvoller Tage,
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Und laßt sich mein Gemüt ergehn in Klage,
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Daß nichts entrinnen mag des Schicksals Pfeilen.

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Die Zeit des Glanzes saht ihr schnell enteilen,
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Und was ihr dann geschaut, war eitel Plage;
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Kaum les' ich noch die tausendjähr'ge Sage
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Des Ruhms in euren unterbrochnen Zeilen.

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Es will das Herz mir schauerlich bewegen,
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Wenn ich betrachte solche Weltgeschicke,
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Wie hier das freiste Volk dem Fluch erlegen.

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Und wenn ich dann in meine Seele blicke,
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Scheint mir der eigne Schmerz so klein dagegen,
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Daß ich ihn lächelnd in der Brust ersticke.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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