Traumkönig und sein Lieb

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Emanuel Geibel: Traumkönig und sein Lieb (1833)

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Süß schlummert das Mädchen im Kämmerlein,
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Gebettet auf reinlichem Pfühle;
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Die Sommernacht haucht würzig herein
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Mit ihrer erquickenden Kühle.

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Am Fenster blühn die Rosen zumal,
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Es duften so süß die Linden,
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Kaum mag des Mondes goldner Strahl
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Durchs Laub den Eingang finden.

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Doch plötzlich stärker wird der Duft,
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Glühwürmchen weben und flimmen,
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Es rauschen die Blätter, es klingt die Luft
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Von leisen melodischen Stimmen:

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»süß Lieb, süß Lieb, und wiege dich fein
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Auf stillen Schlummerwogen!
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Traumkönig will dein Liebster sein,
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Traumkönig kommt gezogen.«

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Da steht der Elf zu Häupten ihr;
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Er schüttelt die Locken, die dunkeln,
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Daß hell an seiner Krone Zier
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Die Edelsteine funkeln.

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Dann beugt er sich sanft auf die Holde herab,
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Küßt Stirn und Lippen ihr leise
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Und zieht mit goldenem Zauberstab
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Umher viele luftige Kreise.

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Und wie er sie weiter und weiter schlingt,
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Da wird zum Palaste das Stübchen,
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Drin ruhn, von fürstlichem Glanz umringt,
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Traumkönig und sein Liebchen.

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Aus purpurnen Polstern bereitet schwillt
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Die prächtige Lagerstätte;
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Von ferne dämmert die Lampe mild.
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Zwei Pagen knieen am Bette.

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Und drüber in silbernem Reifen schwingt
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Ein Vogel sein farbig Gefieder,
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Er schaukelt sich sacht wie im Schlaf und singt
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Ein Brautlied schmelzend hernieder.

37
So ruht Traumkönig beim Liebchen fein
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In traulichem Küssen und Kosen,
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Bis hell das Lager der Morgenschein
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Bekränzt mit leuchtenden Rosen.

41
Dann schwindet der Elfe von dannen sacht,
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Rings ist der Zauber zerflossen,
43
Und auch das Mädchen, das holde, erwacht,
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Von lieblicher Scham übergossen.

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Doch als sie empor nun die Augen schlägt,
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Von langen Wimpern umsäumet,
47
Da seufzt sie, da preßt sie das Herz bewegt:
48
»ach, war denn mein Glück nur geträumet?«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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