Von Dingen, die man nicht antasten soll

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Emanuel Geibel: Von Dingen, die man nicht antasten soll (1833)

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Ich hatt' ein Bildnis wunderfein,
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Mit zarten Farben ausgemalt,
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Das hat mit seinem bunten Schein
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Gar lieb ins Auge mir gestrahlt;
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Ich hielt es ganz für mich allein,
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Und wo ich war, da mußt' es sein.
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Tags stand's an meiner Arbeitsstätte,
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Zu Nacht hing's über meinem Bette,
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Und selbst in meinem schönsten Traum
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Wie hold es blüht', ihr glaubt es kaum.

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Da dachten die Leute in der Stadt:
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»was der wohl so Besondres hat!«
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Kamen herbei von allen Enden,
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Betasteten es mit plumpen Händen,
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Hielten es gegen Feuer und Licht,
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Ob auch die Farben in der Richt,
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Wischten am Firnis hier und dort
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Und hingen's dann an seinen Ort.

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Die Leute sind ein eigen Geschlecht,
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Meinen, sie hätten vollkommen recht,
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Sagen, mir bliebe das Bild ja doch,
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Und ich auch sei derselbe noch;
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Ich aber schlage die Augen nieder,
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Und wenn ich auf mein Kleinod seh,
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Tut's mir im tiefsten Herzen weh;
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Der Schmelz ist hin und kommt nicht wieder.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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