Die junge Nonne

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Emanuel Geibel: Die junge Nonne (1833)

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Ach Gott, was hat mein Vater, was meine Mutter gedacht,
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Daß sie mich zu den Nonnen in das Kloster gebracht!
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Nun darf ich nimmer lachen und muß im Schleier gehn,
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Und darf kein liebend Herze mein Herze verstehn.

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Sie haben abgeschnitten mein langes schwarzes Haar,
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Hat keiner sich erbarmet meiner sechzehn Jahr;
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Ich bin schon so betrübt und bin doch noch so jung,
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Und hat die Welt der Freuden doch für alle genung.

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An meiner Zelle Fenster baun die Vögelein,
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Da möcht' ich oft mit ihnen so frei und lustig sein;
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Ich höbe meine Flügel und fände wohl den Steg
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Weit über alle Türme und Klöster hinweg.

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Und wenn der Abend dämmert, und dunkelt die Nacht,
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Hab' ich vieltausendmal an meinen Schatz gedacht;
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Nun bin ich eine Nonne, mein Schatz ist so weit,
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Drum fließen meine Tränen allezeit.

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Es fließen wohl die Wellen mitsammen in das Meer,
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Es fliegen mitsammen die Vögel drüber her,
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Der Tag hat seine Sonne, die Nacht den Sternenschein;
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Nur ich muß alle Stunden einsam sein.

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Ich wollt', sie läuteten im Kreuzgang erst um mich
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Und trügen mit den Kerzen mich still und feierlich;
23
Da wär' ich los auf einmal von aller Not und Pein
24
Und dürfte mit den Engeln wieder fröhlich sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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