Der Husar

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Emanuel Geibel: Der Husar (1833)

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Die Schlacht ist aus, zersprengt des Feindes Scharen,
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Ein schwarzes Bahrtuch sinkt die Nacht hernieder,
3
Da lagern rings ums Feuer die Husaren
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Und wärmen ihre kampfesmüden Glieder.

5
Ein bärt'ger Reiter sieht nach seiner Wunde,
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Ein andrer ladet emsig die Pistolen,
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Die volle Flasche geht von Mund zu Munde;
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Kein Wort erschallt, nur tiefes Atemholen.

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Und still ist's ringsum. Nur die Frühlingswinde,
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Gewohnt mit holden Blumen sonst zu kosen,
11
Sie spielen durchs Gefild' und fächeln linde
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Der Todeswunden dunkle Purpurrosen.

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Doch sieh! Dort unterm Lindendach am Turme
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Ist sanft ein junger Reiter eingeschlafen,
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Es rettet' aus des Krieges wüstem Sturme
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Sein Geist sich in der Träume Friedenshafen.

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Er schlummert süß. Es hat um seine Wangen
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Ein ros'ger Freudenschimmer sich ergossen,
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Ein mildes Lächeln hält den Mund umfangen,
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Um den die ersten blonden Flaumen sprossen.

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Er träumt sich heim vielleicht ins enge Zimmer,
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In seines Jugendspiels geliebte Räume -
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Durchs offne Fenster fällt der Sonnenschimmer,
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Und draußen duften Wein und Blütenbäume.

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Und vor ihm steht ein Mädchen hold erglühend,
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Der Morgenstrahl vergoldet ihre Wangen,
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Daß schöner noch der Mund, in Purpur blühend,
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Daß glänzender die braunen Locken prangen.

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Sie reicht im Glas ihm feurigen Tokaier,
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Nachdem sie nicht verschmäht, zum Gruß zu nippen;
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Er aber küßt, ein ungestümer Freier,
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Anstatt des süßen Weins die süßern Lippen.

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Umschlungen stehn sie, ganz in sich versunken,
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Und schaun sich selig lächelnd an und schweigen,
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Und nur die Nachtigallen schmettern, trunken
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Von Rosenduft, ein Brautlied in den Zweigen.

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So träumt der Jüngling - aber plötzlich tönen
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Trompeten fern in lustigen Fanfaren,
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Es fallen Schüsse, dumpfe Trommeln dröhnen,
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Und auf vom Boden springen die Husaren.

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Der Träumer auch erwacht. Er fährt zusammen,
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Dann sitzt er eilig auf mit den Genossen;
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Sie jagen fort; zu Asche glühn die Flammen,
44
Und fern verhallt der Hufschlag von den Rossen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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