O Fürst, aus einem Stamm von Weisen

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August von Platen: O Fürst, aus einem Stamm von Weisen Titel entspricht 1. Vers(1815)

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O Fürst, aus einem Stamm von Weisen,
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Den alle mild und edel preisen
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Vereint und laut:
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Ist mir's vergönnt, ein Wort zu wagen,
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Obwohl ich dich in meinen Tagen
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Von Angesichte nie geschaut?

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Zwar werd ich deine Gunst verlieren,
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Wofern sie je, dies Haupt zu zieren,
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Mir ward zuteil:
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Du neigtest einst dich meinen Scherzen,
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Ich bringe jetzt ein Lied der Schmerzen,
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Doch such ich nicht mein eigen Heil.

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Ich flehe für das Volk der Leiden,
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Das aus der Heimat auszuscheiden
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Gedrängt die Zeit;
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Ich flehe für umsonst Ermannte,
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Für flüchtige Helden und verbannte
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Um einen Funken Menschlichkeit.

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Sie sein der Rache nicht verfallen!
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Schon ist das Herz im Busen Allen
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Genug beschwert,
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Ums Vaterland genug bekümmert:
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Vom Henker werde nicht zertrümmert
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Ihr edles und berühmtes Schwert!

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Wie auch des Gegners Groll sich steigert,
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Werd ihnen kein Asyl verweigert,
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Kein Trost im Schmerz!
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Und wo ein Gast sich eingefunden,
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Beträufle Balsam seine Wunden,
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So lange schlägt ein deutsches Herz!

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Und könnten Fürsten dies verneinen,
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So möcht ein Phalaris erscheinen,
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Von Scham entblößt,
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Der die, die seinen Schutz erküren,
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Die seine Hölle helfen schüren,
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In ihren eignen Ofen stößt!

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Wie mancher wähnt den Feind zersplittert,
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Indes die Nemesis umwittert
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Des Siegers Zelt.
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Triumphe sind wie Niederlagen,
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Wenn ihre Frucht besteht in Klagen,
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Im grenzenlosen Haß der Welt.

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Und sei's, und soll die Welt es Glauben,
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Der Mächtige darf sich kühn erlauben
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Jedwede Tat:
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Er wetze hunderttausend Klingen
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Und lasse sein Tedeum singen
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Vom Volke, das er niedertrat!

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Nur borg er nicht den Schein des Rechtes,
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Er flehe nicht zu Gott für Schlechtes
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Um Schutz und Wehr;
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Er trage frei das offne Laster,
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Und seine Stirn von Alabaster
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Beflecke keine Röte mehr!

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Nur rühm er nicht sich und erdichte
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Ein göttlich Recht! Es ruft Geschichte
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Ihr lautes Nein.
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Wie manche, deren Gräber sprechen,
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Erlangten Kronen durch Verbrechen!
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Kann ein Verbrechen göttlich sein?

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Manch Reich entstand durch Schwert und Flamme,
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Es ist von manchem hohen Stamme
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Die Wurzel faul.
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Und seit es Könige hat gegeben,
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So rief sie nur das Volk ins Leben
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Seit jenem ersten König Saul!

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Nur um des Volkes Wunsch zu stillen,
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Hat ihn gesalbt mit Widerwillen
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Des Herrn Prophet.
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Oh, möchten Fürsten stets empfinden,
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Daß Erdentage schnell verschwinden
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Und nur des Namens Ruhm besteht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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