Die Lüfte wehn so schaurig

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

August von Platen: Die Lüfte wehn so schaurig Titel entspricht 1. Vers(1815)

1
Die Lüfte wehn so schaurig,
2
Wir ziehn dahin so traurig
3
Nach ungewissem Ziel.
4
Kaum leuchten uns die Sterne:
5
Europa sieht von ferne
6
Das große Trauerspiel.

7
Uns wendend oft zurücke,
8
Betreten wir die Brücke,
9
Die uns von Polen trennt.
10
Bei trübem Fackelbrande
11
Grüßt uns das Volk am Strande,
12
Das unsre Leiden kennt.

13
Verkauft, besiegt, verraten –
14
Sind unsre besten Taten
15
Wie Träume leer und hohl
16
Und lassen keine Spuren;
17
So nehmt, geliebte Fluren,
18
Das letzte Lebewohl!

19
Lebt ewig wohl, ihr Brüder!
20
Ein Haufe Lebensmüder
21
Trifft überall ein Grab.
22
Nicht uns vom Tod zu retten,
23
Nein, nur zu fliehn die Ketten,
24
Ergreifen wir den Stab.

25
Wir ziehn von Weib und Kindern,
26
Vermögen nicht zu hindern
27
Des Vaterlands Ruin.
28
Schon lechzt nach unserm Blute
29
Die Petersburger Knute,
30
Die Fuchtel von Berlin.

31
Ein tränenloses Wesen
32
Ward uns zum Herrn erlesen,
33
Versteint und ungebeugt:
34
Aus mörderischem Stamme
35
Trägt seine Stirn die Schramme,
36
Die sein Geschlecht bezeugt.

37
Die wir jedoch erwarben,
38
Deck auf, o Ruhm, die Narben,
39
Mach unsre Namen klar!
40
Du machst den Schmerz gesetzter,
41
Denn unsres Volkes letzter
42
Ist größer als der Zar.

43
Uns bleibt nur Ein Vermächtnis:
44
Des edlen Kampfs Gedächtnis,
45
Der Polen neu verband,
46
Des langen Kriegs Beschwerde
47
Und eine Handvoll Erde
48
Aus unserm Vaterland.

49
O selig Jene, welche
50
Berauscht vom Todeskelche,
51
Gesunken sind im Streit.
52
Und ihr, Volhyniens Söhne,
53
Die aus dem Angstgestöhne
54
Die feuchte Gruft befreit!

55
Sie drangen auf den Rossen,
56
Von Feinden fast umschlossen,
57
Zum Weichselufer vor,
58
An fremden Strand zu schiffen:
59
Da schwoll von Schmerz ergriffen
60
Ihr groß Gemüt empor.

61
Sie konnten's nicht ertragen,
62
Der Heimat abzusagen,
63
Die jeden Wunsch umschloß.
64
Da stürzten sich die Guten
65
Hinunter in die Fluten
66
Mit Waffen und mit Roß.

67
O vaterländische Wellen,
68
Die längst vom Blute schwellen,
69
Nehmt euch der Toten an!
70
Ihr dürft das Meer erreichen;
71
So wälzt die freien Leichen
72
Zum freien Ozean!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.