Das Fischermädchen in Burano

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August von Platen: Das Fischermädchen in Burano (1815)

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Strickt mir fleißig am Netz, ihr Schwestern! Es soll's der Geliebte
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Heut noch haben, sobald im besegelten Nachen er heimkehrt.

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Weshalb zaudert er heute so lang? Die Lagune verflacht sich
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Schon, und es legt sich der Wind; um das leuchtende hohe Venedig,
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Wie es den Wassern entsteigt, ausbreitet sich Abendgewölk schon.
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Ostwärts fuhren sie heut mit dem Fahrzeug gegen Altino,
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Wo in den Schutt hinsank ehmals die bevölkerte Seestadt.
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Häufig erbeuten sie dort Goldmünzen und prächtige Steine,
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Wenn sie das Netz einziehn, die betagteren Fischer erzählen's:
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Möchtest du auch, o Geliebter, und recht was Köstliches finden!

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Schön wohl ist es zu fischen am Abende, wann die Lagune
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Blitzt, und das schimmernde Netz vom hangenden Meergras funkelt,
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Jegliche Masche wie Gold, und die zappelnden Fische vergoldet;
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Aber ich liebe vor Allem den Festtag, wann du daheimbleibst.
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Auf dem besuchteren Platz dann wandelt die kräftige Jugend,
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Jeder im Staat, mein Freund vor den Übrigen schön und bescheiden.
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Oftmals lauschen wir dann dem Erzähler, und wie er verkündigt
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Worte der Heiligen uns, und die Taten des frommen Albanus,
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Welcher gemalt hier steht in der Kirche, des Orts Wohltäter.
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Doch als seine Gebeine hieher einst brachten die Schiffer,
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Konnten sie nicht ans Ufer den Sarg ziehn, weil er so schwer schien;
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Lange bemühten die starken gewaltigen Männer umsonst sich,
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Triefend von Schweiß, und zuletzt ließ Jeglicher ab von der Arbeit.
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Siehe, da kamen heran unmündige lockige Kinder,
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Spannten, als wär's zum Scherz, an das Seil sich, zogen den Sarg dann
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Leicht an den Strand, ganz ohne Beschwerde, mit freundlichem Lächeln.
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Dieses erzählt der bewanderte Greis, dann häufig erzählt er
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Weltliche Dinge zumal, und den Raub der venetischen Bräute,
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Die nach Olivolo gingen zum fröhlichen Fest der Vermählung:
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Jede der Jungfraun trug in dem zierlichen Kästchen den Mahlschatz,
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Wie es die Sitte gebot. Ach, aber im Schilfe verborgen
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Lauert ein Trupp Seeräuber; verwegene Täter der Untat
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Stürzen sie plötzlich hervor und ergreifen die bebenden Mädchen,
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Schleppen ins Fahrzeug alle, mit hurtigen Rudern entweichend.
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Doch von Geschrei widerhallt schon rings das entsetzte Venedig:
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Schon ein bewaffneter Haufe von Jünglingen stürmt in die Schiffe,
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Ihnen der Doge voran. Bald holen sie ein die Verruchten,
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Bald, nach männlichem Kampfe, zurück im verdienten Triumphzug
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Führen sie heim in die jubelnde Stadt die geretteten Jungfraun.
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Also berichtet der ehrliche Greis, und es lauscht der Geliebte,
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Rüstig und schlank, wohl wert, auch Taten zu tun wie die Vorwelt.

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Oft auch rudert hinüber ins nahe Torcello der Freund mich:
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Ehmals war's, so erzählt er, von wimmelnden Menschen bevölkert,
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Wo sich in Einsamkeit jetzt salzige Wasserkanäle
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Hinziehn, alle verschlammt, durch Felder und üppige Reben.
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Aber er zeigt mir den Dom und des Attila steinernen Sessel
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Auf dem verödeten Platz mit dem alten zertrümmerten Rathaus,
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Wo der geflügelte Löwe von Stein aus sonstigen Tagen
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Ragt, als diese Lagunen beherrschte der heilige Markus:
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All dies sagt mir der Freund, wie's ihm sein Vater gesagt hat.
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Rudert er heimwärts mich, dann singt er ein heimisches Lied mir,
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Bald »Holdseliges Röschen« und bald »In der Gondel die Blonde«.
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Also vergeht, uns Allen zur Freude, der herrliche Festtag.

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Strickt mir fleißig am Netz, ihr Schwestern! Es soll's der Geliebte
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Heut noch haben, sobald im besegelten Nachen er heimkehrt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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