Einladung nach der Insel Palmaria

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August von Platen: Einladung nach der Insel Palmaria (1815)

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Wo Spezias siebenbusiger Golf nach Westen hin
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Sich öffnet gegen Korsika,
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Stand ehedem ein Venustempel, jetzo ragt
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Am Ufer eine kleine Stadt.
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Ihr dehnt ein Eiland gegenüber lang sich aus,
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Der Schiffer nennt's Palmaria:
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Nur wenige Hütten zählt es, hier und dort verstreut,
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Bewohner zählt es wenige;
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Ölbäume stehn am minderschroffen Bergeshang,
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Die meergewohnte Myrte blüht
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Nach allen Seiten, Rebe gedeiht und Feigenbaum,
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Den Gipfel krönen Pinien.
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In einer Bucht am Ufer aber locke dich
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Die kleine Villa halbversteckt.
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Für diesen Sommer ist sie mein, und jeden Tag
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Erquicken hier des Morgenwinds,
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Der reinen Luft, des salzigen Bades Kühlungen,
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Und ungestörte Muße mich.
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Carraras Marmorberge steigen fern empor,
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Zu ihren Füßen Lerici,
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(wo jenes Dichters Freund ertrank, und dann von ihm
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Bestattet ward im Aschenkrug.)
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Mit kahler Stirne ragen dort des Apennins
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Bergrücken, während wohlgemut
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Vorüber leichte Schiffe ziehn, um hier und dort
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Kaufmännisch aufzustapeln, was
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An Pomeranzen senden mag Sizilien,
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An fremden Weinen Genua.
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Doch, wenn du dich einbürgern wolltest hier vielleicht,
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So sollst du wissen, was gebricht:
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Nichts fehlt zu dieses Aufenthalts Behaglichkeit
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Als folgerechtere Küchenkunst;
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Ein rauher Seemann waltet mir am Herde jetzt,
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Der stets von Porto Venere
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Des Morgens holt zu Schiffe meinen Hausbedarf,
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Als Koch und als Matrose dient.
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Da dies Bekenntnis im voraus ich abgelegt,
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So darf ich immer sagen: Komm!
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Wofern die Schatten deines florentinischen
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Landhauses je du missen kannst,
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Das oft als Gastfreund liebend mich und gern empfing,
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Zu wohlbestelltem Tische lud;
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Wofern in einem Himmelsstrich du leben magst,
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Der keinen Raffael gebar;
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(doch zeugten diese Küsten auch Unsterbliche,
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Kolumbus und Napoleon!)
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Wofern du, dem so teuer ist toskanischer,
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Vibrierter Konsonantenhauch,
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An Genuesersprache dich, an gallische
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Verweichlichung gewöhnen kannst:
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So komm! Wo nicht, so lebe wohl! An jedem Ort
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Bleibt stets ja doch dein Eigentum
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Der edle Scharfblick, welcher mißt der Künste Reich,
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Und eine Seele voll von Huld!
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Doch eilst du dieser Insel zu, so male dir
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Nicht Capri vor und nicht Sorrent,
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Wo ewige Wollust flötet, als Sirene lauscht,
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Und flötet ihren Klageton!
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Torheit und Unruh waren's, deren falsche Hast
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Mich nach dem Norden angespornt;
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Doch folgte baldige Reue nach, und leise tritt
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Sehnsucht in ihr poetisch Recht.
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Sobald ich Mailands alten Dom und jene Stadt,
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Die auf dem Meere steht, gesehn,
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Sobald Ariosts und Dantes Grab ich fromm besucht,
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Um deren edle Schläfe nie
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Lorbeern genug aufhäufen kann Bewunderung:
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Verdoppelt eile dann der Schritt
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Dem Süden wieder zugewendet pfeilgeschwind,
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Anconas hohen Strand vorbei,
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Und Rom sogar und Konradins Schlachtfeld vorbei,
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Zurück in mein gelobtes Land,
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Bis mich zuletzt absondere vom Gewühl des Tags
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Der stillste Pomeranzenhain.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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