Dem Kronprinzen von Bayern

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August von Platen: Dem Kronprinzen von Bayern (1831)

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Es schlummert längst mir im Heiligtum bildender Kraft
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An dich, o Fürst, ein Gesang,
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Dem vaterländischer Zukunft Bürgschaft verliehn das Geschick,
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Der du selbst in der Brust die Glut melodischer Dichtung
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Hegst, dem Vater Gleich, und der Kunst tiefsinnige Meister liebst,
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Die mit holdem Zepter das Volk, den Herrschenden ähnlich,
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Lenken; aber Verständnis folgt
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Oft erst dem beschwingten Klang zu Fuß nach.

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Vor Allen foderte mich zu Liedspendungen auf
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Das Wort des würdigen Freunds,
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Der mir von frühester Kindheit stets hieß der treuste Genoß,
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Aber nun an der Seite dir mit freundlichem Rat steht. –
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Offen liegt ein mächtiges Feld vielkundigem Dichter, der
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Deines Hauses Glanz und den tausendjährigen Ruhm wälzt;
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Denn bereits Diademe trug
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Dein Stamm in der sagendunklen Urzeit:

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Als König waltete Garibald, hohen Geschlechts,
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Im reichen Bojergefild
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Weitherrschend einst, wo der Inn stolz hinwallt mit reißendem Zug,
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Dem zuletzt in der Schlucht sich mischt der stilleren Donau
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Ebner Flur entsprudelter Strom. Aufnährte das schönste Pfand
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Garibald, der lieblichen Tochter bräutliche Schönheit:
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Theudelinden umwarb indes
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Hochsinniger Fürstensöhne Schwarm rings.

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Es wirbt der fränkische Childebert. Autharis auch,
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Der longobardische Fürst,
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Hoch ragt er unter der Mehrzahl siegskühner Freier empor
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Der das wehende Banner aufgepflanzt an der Spitze
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Rhegiums, (getrennt von der fruchtbarn Wurzel des Ätnabergs
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Durch der Skylla Hundegebell und kochenden Meerschwall).
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Doch Pavia verläßt der Fürst,
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Nordwärts, an der Etsch, den Strom hinauf zieht

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Er wohlgemut, in der Brust den sehnsüchtigen Wunsch. Verkappt in Botengestalt
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Sieht Bojoarien ihn. Schon tritt aus dem Frauengemach
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Theudelinde, geführt von Garibald, und dem Fremdling
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Beut sie gar, der Sitte gemäß, Willkomm in dem Festpokal:
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Als das Glas empfing der vermummte Fürst von der Jungfrau,
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Ihr die Hand mit gelindem Druck
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Rührt sanft er und seufzt: O Theudelinda!

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Geringer scheint die verschwiegne Schmach, Allen entrückt:
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Die kluge Schöne verbirgt,
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Blaß zwar vor Schrecken, des Gastfreunds Wagstück ins tiefe Gemüt.
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König Autharis freit, in Königs Autharis Namen,
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Jene nun, und gerne gewährt, huldreich, die erwählte Braut
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Garibald. Es giebt das Geleit dem werbenden Fremdling
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Schlanke, boische Heldenschar
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Durchs Alpengebürg ins süße Welschland,

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Wo Phöbus früher die Traube reift, Jünglingen auch
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Die Schläfe männlicher bräunt.
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Als auf der steinigen Grenzmark abschiedlich boten den Gruß
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Wechselseits der Geführte selbst und Die, so geführt ihn,
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Schwang das Beil der reisige Held kraftvoll in behender Faust;
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Tief im Stamme wurzelt es fest des mächtigen Ahorns:
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Solche Streiche, wie der, vermag
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Bloß Autharis auszuteilen, rief er,

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Und kenntlich Allen entschwand der gelblockige Fürst.
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Es reichte darauf dem Gemahl
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Bald Theudelinde den Brautring. Stets trügt jedoch des Geschicks
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Gunst die Sterblichen, sein sie niedrig oder an Macht groß:
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Authars Blume welkte dahin frühzeitig an schnödem Gift,
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Das der Nebenbuhler, ein Sohn der tückischen Brunhild
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Jenem sendete, Childebert;
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Doch pflegte des Reichs die Bojoarin.

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Sie trug den seltenen Schatz der Weisheit im Gemüt,
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Es dient' Italien ihr.
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Oftmals begründeten Fraun manch herrschaftsgewaltiges Reich,
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Weil dem Männergeschlecht an klugem Sinn sie voranstehn:
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(wohl bezeugt's der späteren Zeit England und Elisabeth,
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Kämpfe nahm die Tochter des sechsten Karls mit der Welt auf,
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Moskowitische Geißel schwang
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Siegreich die entmenschte Messalina.)

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Die longobardische Königin teilte dem Volk
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Gerechte Satzungen aus,
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(heilvoll ergänzt des Naturtriebs Wildheit das weise Gesetz,
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Das der Blüte des Menschengeistes herbere Frucht ist)
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Während rings der Menge sie kundtun ließ des Erlösers Wort:
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Endlich schickt Gregorius ihr, der heilige Welthirt,
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Jene Krone von Eisen zu,
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Nachwachsender Helden höchstes Kleinod.

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Es fliehn in rascher Geburt die Weltlose dahin,
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Es wechselt Leben und Grab.
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Uns nächste Zeiten, o Herr, sahn nochmals ein blühendes Weib,
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Deines Stamms in dem Fürstenstuhl der mächtigen Ahnfrau:
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Theudelinden Glich sie an Form, reizvoll wie ein Strahl des Lichts,
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Nicht an Glück. Es fallen des übermütigen Schicksals
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Würfel tückisch und ungestüm,
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Umwälzenden Tagen stürmt Gefahr nach;

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Und wird zum Schwerte der Pflug, so bricht Königen selbst
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Entzwei der güldene Reif.
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Graunvoll zerstört der Gewalt Bergsturz rings die Fülle des Tals:
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Wohl erfuhr's die erhabene Frau, des fränkischen Ehbunds
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Opfer, ja, die Tochter sogar, jenseitig des Ozeans
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Eines Kaisers Braut an der palmenschattigen Meerbucht.
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Doch im Munde des Dichters lebt
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Gleichreizend und ewig Heil und Unheil.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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