Nie sehnt ein willkürübender Herrscher sich

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August von Platen: Nie sehnt ein willkürübender Herrscher sich Titel entspricht 1. Vers(1815)

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Nie sehnt ein willkürübender Herrscher sich
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Nach Dichterweihrauch, dessen er nicht bedarf:
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Er legt ans Schwert kraftvoll die Faust und
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Wen er zum Opfer sich wählt und wer ihm

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Mißfällt und wer Freiheit zu verkünden wagt,
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Den trifft der Tod, den decken Sibiriens
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Schneefelder zu, der wird geschmiedet,
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Tief in der Grotte des Felseneilands,

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Titanenhaft auf eisernen Rost, zu dem
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Das Meer emporschlägt. Aber das Volk bedarf,
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Ohnmächtig schmerzvoll, eines Mannes,
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Welcher im Lied es empfiehlt der Nachwelt

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Als Stoff des Mitleids, welcher erzählt, wie schnell
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Zusagen wehn aus fürstlichem Mund, und ach!
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Gleichschnell verweht sind, wie man Schwüre
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Bricht in der Nähe des Pols und südwärts!

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Sind Schwüre nicht (leicht löst sie der Papst) ein Spiel
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Herzloser Bourbons? Nichtigem, falschem Eid,
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Ach, lauschte Frankreich; lauschte Spanien,
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Lauschte das Land um Messinas Pharus,

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Diesseits und jenseits! Einen erblickten wir,
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Der seines Zwingherrn blutige Hand geküßt,
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Nachdem umsonst sein Volk des Wagens
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Stricke zerhaun, den geliebten König

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Nicht lassen wollend. Jener entwich, da focht's
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Sechs Jahr um ihn, sechs Jahre, befreit zuletzt
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Ihn aus der Haft. Er kommt und liefert
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Seine Befreier dem Blutgerüst aus.

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War solches Undanks fähig ein Nero selbst?
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Dem, der für ihn sich opferte, mindestens
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Dem Strang des Henkers ihn entrückend,
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Hätt er ein rühmliches Grab gegönnt ihm!

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Ihr fürchtet nichts, Tyrannen, allein den Tod
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Doch fürchtet ihr, der kein Diadem verschont:
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So möge denn ums Sterbelager
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Drängen sich euch der verhaßte Chorus

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All derer, die dumpfbrütende Kerkerluft
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Frühzeitig wegrafft, all der Gequälten Geist,
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Die auf Galeeren euch, mit Mördern
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Eng aneinander gekoppelt, fluchen,

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All derer, die, weit über die Welt zerstreut,
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Vom Bild der Heimat ihre Gemüter voll,
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An fremder Tür ihr Brot erbetteln,
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Ja, zu Barbaren verbannt, des Moslems

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Mildtätigkeit anflehen! Um euer Bett
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Wird manch Gespenst mit drohendem Finger stehn,
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Durch Kettenlärm euch weckend, oder
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Priester und Priestergebet verscheuchend.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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