6. Acqua Paolina

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August von Platen: 6. Acqua Paolina (1815)

1
Kein Quell, wie viel auch immer das schöne Rom
2
Flutspendend ausgießt, ob ein Triton es sprützt,
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Ob sanft es perlt aus Marmorbecken,
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Oder gigantischen, alten Schalen:

5
Kein Quell, so weit einst herrschte der Sohn des Mars,
6
Sei dir vergleichbar, auf dem Janiculum
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Mit deinen fünf stromreichen Armen
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Zwischen granitene Säulen plätschernd.

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Dort winkt mir Einsamkeit, die geliebte Braut,
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Von dort beschaut, vielfältig ergötzt, der Blick
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Das Rom des Knechts der Knechte Gottes
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Neben dem Rom der Triumphatoren.

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Kühn ragt, ein halbentblätterter Mauerkranz,
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Das Kolosseum; aber auch dir, wie steigt
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Der Trotz der Ewigkeit in jedem
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Pfeiler empor, o Palast Farnese!

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Wo sonst des finsterlockigen Donnergotts
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Siegreicher Aar ausbreitete scharfe Klaun,
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Da hob sich manch Jahrhundert über
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Giebel und Zinne das Kreuz und herrschte.

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Bis jüngst, der Schicksalslaune gewaltig Spiel,
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Ein zweiter Cäsar lenkte den Gang der Welt,
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Der pflanzte sein dreifarbig Banner
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Neben den schönen Koloß des Phidias;

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Ein Sohn der Freiheit; aber uneingedenk
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Des edlen Ursprungs, einem Geschlechte sich
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Aufopfernd, das ihn wankelmütig
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Heute vergötterte, morgen preisgab.

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O hätte dein weitschallendes Kaiserwort
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Dem Volk Europas, was es erfleht, geschenkt,
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Wohl wärst du seines Lieds Harmodius,
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Seines Gesanges Aristogiton!

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Nun ist verpönt dein Name, Musik erhöht
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Ihn nicht auf Wohllautsfittigen; nur sobald
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Dein Grab ein Schiff umsegelt, singen
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Müde Matrosen von dir ein Chorlied.

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Und Rom? Es fiel nochmaliger Nacht anheim,
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Doch schweigt's, und lautlos neben der herrschenden,
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Sechsrossig aufgezäumten Hoffart
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Schleicht der Beherrschten unsäglich Elend.

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Nicht mehr das Schwert handhaben und nicht den Pflug
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Quiriten jetzt, kaum pflegt die entwöhnte Hand
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Den süßen Weinstock, wurzelschlagend
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Über dem Schutte der alten Tugend.

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Im Flammenblick nur, oder im edlen Bau
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Des schönen, freiheitlügenden Angesichts
47
Zeigt Rom sich noch, am Scheideweg noch,
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Aber es folgte dem Wink der Wollust!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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