Du wachst; allein wer bürgt dafür

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August von Platen: Du wachst; allein wer bürgt dafür Titel entspricht 1. Vers(1832)

1
Du wachst; allein wer bürgt dafür,
2
Ob nie du schlafen wirst?
3
Ob Mut und Vaterlandsgefühl
4
Auf ewig bleiben wach?

5
Du ruhst an einem Bergesrand
6
Gefährlich überaus,
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Und wehe dir, sobald du schläfst
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Nur Einen Augenblick!

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Gedenke nicht des Augenblicks,
10
Ins tiefre Werden sieh!
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Die ganze Zukunft, liegt sie nicht
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In deiner Brust allein?

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Es sah die Welt Jahrhunderte
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In dumpfen Schlaf gesenkt,
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Und einer wildbewegten Zeit
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Folgt eine träge nach.

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Wer aber selbst in schlaffer Zeit,
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Wer, sprich, erhielt sich wach?
19
Es blieben selbst in schlaffer Zeit
20
Die freien Völker wach!

21
Es ist die Freiheit jener Puls,
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Der stets lebendig schlägt,
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Der stets zum Kampfe treibt ein Volk
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Für seinen eignen Herd.

25
Nie fehlen ihr Verteidiger,
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Nie mangelt ihr ein Schwert,
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Und wer sie recht gekostet hat,
28
Geht in den Tod für sie!

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O wär ich frei, wer raubte mir's?
30
Verlör ich jede Hand,
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So hielt ich doch die Waffe noch
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Mit meinen Zähnen fest!

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Du fürchtest diesen starken Wein,
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Dieweil er mächtig gärt;
35
Doch setze nur den Becher an,
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Er macht die Seelen stark!

37
Und wenn du diesen Trieb erstickst
38
(du willst es nicht, ich weiß!)
39
Dann stehst du nackt und waffenlos,
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Wie ein entnervter Greis.

41
Wann dieser Trieb erlischt, er ist
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Erloschen manchem Volk,
43
Du rüttelst dann die Leiche wohl
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Und rüttelst sie nicht auf!

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Er sei bewahrt als Heiligtum,
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Der ewigen Lampe Gleich,
47
Die hangend vor dem Hochaltar
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Des Doms Gewölb erhellt.

49
Vergebens blickt Bewunderung
50
Auf alte Völker hin:
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Bewundert nicht! Es liegt an euch,
52
So groß zu sein wie sie!

53
Wirf endlich diese Stelzen weg
54
Vornehmer Gleisnerei:
55
Wahr sei der Mensch, er krieche nicht,
56
Sonst braucht es kein Gebet.

57
Im Herzen wohnt die Gottesfurcht,
58
Und bloß ein Wüterich
59
(wir wurden's inne) breitet sie
60
Wie einen Mantel aus!

61
Wann deiner Söhne jeglicher
62
Sein Bürgertum erkennt,
63
Dann sinkt vor dir Europas Schwert
64
Und Asiens Henkerbeil!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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