Es lag ein Wüterich auf goldnem Kissen

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August von Platen: Es lag ein Wüterich auf goldnem Kissen Titel entspricht 1. Vers(1832)

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Es lag ein Wüterich auf goldnem Kissen,
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Und schlief; da kamen fürchterliche Träume
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Ihm ins Gemüt, Gleich wilden Schlangenbissen:
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Sie führten ihn in außerirdische Räume,
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Vom Reich der Geister fühlt er sich umfangen,
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Das ewig klar und ohne Wolkensäume:
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Entsetzlich war ihm, was die Geister sangen,
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Wie einst Tarquin vom Brutus ward vertrieben,
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Und wie Hipparchos nicht dem Tod entgangen.
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Und solche Frevler wagt man hier zu lieben,
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So denkt er bei sich selbst, wo ist die Achtung
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Für jeden Machtspruch, den ich ausgeschrieben?
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Was will die Sonne hier, da längst Umnachtung
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Ich übern Horizont der Welt verbreitet,
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Wo Jeder kniet vor mir in Selbstverachtung?
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Und sieh, ein Mann mit hoher Stirne schreitet
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Auf ihn heran und ruft: Bejammernswerter,
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Welch Schreckenschicksal ist dir hier bereitet!
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Hier herrscht die Freiheit stets in unbeschwerter
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Gedankenruh, du kannst sie nicht verjagen,
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Ohnmächtig sind hier alle deine Schwerter!
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Doch will zuerst ich, wer ich sei, dir sagen:
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Ich bin der große florentinische Dichter,
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Nach dessen Staub du magst Ravenna fragen:
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Ich war den Sündern meiner Zeit ein Richter;
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Doch unter Allen, welche schon verwesen,
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Erreichte keiner dich und dein Gelichter!
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Was wird man einst auf deinem Grabe lesen,
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Der du zugleich Herodes gegen Kinder,
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Und gegen Männer Ezzelin gewesen!
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Ein Unterdrücker, nicht ein Überwinder;
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Gezeugt von einer schauderbarn Lemure,
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Und dann gepfropft noch auf den Stamm der Schinder!
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Sohn eines Bankerts, Enkel einer Hure,
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Vernimmst du nicht, daß Alle dich begrüßen:
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Rehabeam, wie steht's mit deinem Schwure?
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Hier hast du nun die grause Schuld zu büßen:
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Die Letzten selbst im Reich der Geister grollen
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Dir ins Gesicht und treten dich mit Füßen!
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Gehorsam wußte dir die Welt zu zollen:
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Dort nannten Schurken dich sogar den Frommen,
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Hier wär's Verbrechen, dir gehorchen wollen!
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Wo sind die Sklaven alle hingekommen,
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Die unterwürfig ihrem Herrn und Meister
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Jedweden blutigen Frevel übernommen?
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Hier gilt Gesetz, hier äußert sich in freister
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Tatkraft die Tugend, die du hast gelogen:
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Hier giltst du nichts, du bist im Reich der Geister.
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Wie haben deine Schmeichler dich betrogen!
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Nun wirst du (wer gedächte dich zu schonen?)
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Zur ungeheuren Rechenschaft gezogen!
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Vernimm! von allen jenen Millionen,
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Die du gestürzt in Jammer und in Klage,
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Die du geschleppt in fürchterliche Zonen,
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Von Allen, denen du verkürzt die Tage,
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War Jeder Mensch wie du, der Seelenwäger
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Hat sie gewogen auf derselben Waage:
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Bald stehn sie Alle gegen dich, die Kläger,
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Wann ihre Zähren sich zum Strom vermählen,
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Aus dem du schöpfen sollst als Wasserträger!
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Vom König Kodrus will ich dir erzählen,
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Der in den Tod ging, um sein Volk zu retten:
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Deins muß sich deinethalb zu Tode quälen!
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Und noch auf Lorbeern wähnst du dich zu betten,
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Wie deine Schmeichler dir es vorgeplaudert?
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Tyrann, erstick in deinen eignen Ketten!
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Er spricht's. Der Wüterich erwacht und schaudert.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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