Die Gründung Karthagos

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August von Platen: Die Gründung Karthagos (1832)

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Vor der Goldbegier des Bruders,
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Der nach ihren Schätzen schnaubt,
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Der in ihres Gatten Busen
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Sein verruchtes Schwert getaucht,
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Flieht hinweg die schöne Dido
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Aus sidonischen Heimataun,
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Nimmt mit sich gehäufte Schätze,
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Nimmt mit sich des Gatten Staub,
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Dem gelobt sie stäte Treue,
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Wie es ziemt den höchsten Fraun;
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Denn der wahren Witwe Liebe
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Gleicht dem Lieben einer Braut.
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Edle folgen ihr und Knechte,
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Als sie löst den Ankertau,
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Segeln auf den hohen Schiffen
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Durch das tiefe Wogenblau,
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Bis an afrikanischer Küste
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Landen alle voll Vertraun.
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Dido läßt an sichrer Felsbucht
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Mächtig eine Stadt erbaun:
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Axt an Axt erklingt am Ufer,
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Stein um Stein wird ausgehaun.
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Bald beschirmen stolze Mauern
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Tempel, Hafen, Hütt und Haus;
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Drauf als Königin beherrschte
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Dido diesen stolzen Raum.
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Doch der Ruf von ihrer Schönheit
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Breitet seine Flügel aus:
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König Jarbas wohnt benachbart,
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Tapferer Männer Oberhaupt;
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Dieser bietet seine Hand ihr,
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Ja die Drohung macht er laut:
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Wenn die Königin sich weigert
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Meiner Kraft sich anzutraun,
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Wehe jener Stadt, sie möchte
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Dann verschwinden wie ein Traum!
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Zitternd hört es ganz Karthago,
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Weil er mächtig überaus,
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Und des Volks ergraute Väter
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Treten vor der Fürstin auf,
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Flehn sie, jenen Bund zu schließen,
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Hinzugeben nicht dem Raub
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Diese Laren, diese Tempel,
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Die sie liebend selbst gebaut!
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Aber ihr im tiefen Busen
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Steigt ein böser Geist herauf,
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Ob sie freveln soll am Gatten,
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Ob sie, jeder Bitte taub,
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Freveln soll an ihrem Volke,
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Das an ihre Liebe Glaubt?
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Doch in einer solchen Seele
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Ist ein Zweifel wie ein Hauch:
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Nur das Große kann sie denken,
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Nur das Große führt sie aus.
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Einen Holzstoß, wie zum Opfer,
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Läßt die Königin erbaun,
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Läßt um ihn das Volk versammeln,
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Tritt hervor und steigt hinauf:
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Lebe wohl, o mein Karthago,
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Nicht die Feinde sollst du schaun,
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Blühn empor in goldner Freiheit,
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Nicht vergehn in Schutt und Graus:
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O Sichäus, breite deine
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Schattenarme nach mir aus!
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Diese hohen Worte sprechend
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Faßt ein Schwert sie ohne Graun,
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Stößt es durch den schönsten Busen,
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Den die Sonne durfte schaun.
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Und im Aschenkrug gesammelt
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Ward sofort der edle Staub,
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Ward im Tempel selbst bestattet,
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Ward bekränzt mit Siegeslaub.
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König Jarbas zog von dannen,
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Störte nicht Karthagos Bau:
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Jenen seegewaltigen Freistaat
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Gründete so die größte Frau.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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