Zobir

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August von Platen: Zobir (1830)

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Raublustig und schreckenverbreitend und arm
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Geleitet Abdalla den Araberschwarm
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Gen Afrika zu,
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Vor Tripoli stehn die Beherzten im Nu.

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Doch ehe sie stürmen um Mauer und Tor,
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Erscheint mit dem Heere der hohe Gregor,
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Statthalter im Glanz
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Erfochtener Siege, geschickt von Byzanz.

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Und während er drängt die fanatische Schar,
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Ritt ihm an der Seite mit goldenem Haar,
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Den Speer in der Hand,
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Die liebliche Tochter im Panzergewand.

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Sie hatte gewählt sich ein männliches Teil,
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Sie schwenkte die Lanze, sie schoß mit dem Pfeil,
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Im Schlachtengetön
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Wie Pallas und doch wie Cythere so schön.

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Der Vater erhub sich, und blickend umher
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Befeuerte mächtig die Seinigen er:
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Nicht länger gespielt,
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Ihr Männer, und stets nach Abdalla gezielt!

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Und wer mir das Haupt des Erschlagenen beut,
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Dem geb ich die schöne Maria noch heut,
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Ein köstlicher Sold,
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Mit ihr unermeßliche Schätze von Gold!

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Da warfen die Christen verdoppelten Schaft,
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Den Gläubigen Mekkas erlahmte die Kraft,
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Abdalla begab
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Ins Zelt sich und mied ein bereitetes Grab.

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Doch stritt in dem Heere, von Eifer entfacht,
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Zobir, ein gewaltiger Blitz in der Schlacht;
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Fort jagt er im Zorn,
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Ihm triefte der klirrende, blutige Sporn.

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Er eilt zum Gebieter und spricht: Du versäumst
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Abdalla, die Schlacht, wie ein Knabe? Du träumst
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Im weichen Gezelt?
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Und sollst dem Kalifen erobern die Welt?

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Was, uns zu entnerven, ersonnen der Christ,
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Ihn mög es verderben mit ähnlicher List!
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Das Gleiche sogleich
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Versprich es und stelle dich eben so reich!

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Den Deinen verkündige folgendes Wort:
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Wer immer dem feindlichen Führer sofort
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Den Schädel zerhaut,
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Der nehme die schöne Maria zur Braut!

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Dies kündet Abdalla mit frischerem Sinn,
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Die Seinen ermutiget hoher Gewinn;
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Zobir dringt vor,
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Sein kreisender Säbel erlegt den Gregor.

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Schon birgt in die Stadt sich die christliche Schmach,
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Schon folgen die Sieger und stürzen sich nach,
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Schon weht von den vier
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Kastellen herab des Propheten Panier.

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Lang trotzte Maria dem feindlichen Troß,
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Bis endlich ein Haufe sie völlig umschloß:
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Von Vielen vereint
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Wird vor den Zobir sie geführt und sie weint.

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Und Einer beginnt im versammelten Kreis:
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Wir bringen den süßen, den lieblichen Preis,
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Den höchsten, um den
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Mit uns du gekämpft und gesiegt, Sarazen!

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Doch Jener versetzt in verächtlichem Scherz:
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Wer wagt zu verführen ein männliches Herz?
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Wer legt mir ein Netz?
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Ich kämpfte für Gott und das hohe Gesetz!

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Nicht buhl ich um christliche Frauen mit euch:
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Dich aber entlaß ich, o Mädchen, entfleuch!
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Was willst du von mir?
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Beweine den Vater und hasse Zobir!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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