An Amor ist alles Geheimnis: die Pfeile

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Jean de La Fontaine: An Amor ist alles Geheimnis: die Pfeile Titel entspricht 1. Vers(1658)

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An Amor ist alles Geheimnis: die Pfeile,
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Der Köcher, die Fackel, die Jugendlichkeit.
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Wer wollte erschöpfen in Tageseile
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Was alles Gott Amor gehört und geweiht!
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Ihn völlig erklären, ich könnt es mit nichten;
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Mein Ziel ist geringer: will eins nur berichten,
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Wie hier dieser Blinde aus Götterchor
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Das kostbare Licht seiner Augen verlor,
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Und wie der Verlust eine Folge gebar –
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Die schließlich zu Amors Bestem war.
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(ein Liebender richte – ich sage nichts.)

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Als Amor noch nicht seines Augenlichts
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Beraubt war, spielte er gern und oft
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Mit Torheit, die gleichfalls ein rechtes Kind.
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Und wie so spielende Kinder sind,
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Geschah es einmal unverhofft,
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Daß beide heftig stritten.
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Zum Rate der Götter will Amor geschwind,
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Gerechtes Urteil erbitten.
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Doch Torheit schnellere Rache sinnt.
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Mit zornig kräftigem Schlage
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Entgilt sie dem andern die Plage –
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Und Amor verlor das Augenlicht.
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Frau Venus, die Mutter, führt Klage,
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Sie weint und jammert und ruhet nicht
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Und fordert ein göttliches Strafgericht.
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Ein Weib und Mutter – ihr könnt euch denken,
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Daß ihr Geschrei recht lästig war;
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Es störte die ganze himmlische Schar
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Und mußte besonders Jupiter kränken.
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Wie stellte Venus das Schreckliche dar!
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Ihr Sohn könne nur am Stock noch gehn,
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Als blinder Jäger kein Ziel mehr sehn,
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Und Nemesis müsse, das sei klar,
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Der Täterin Sühne auferlegen,
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Und keine Strafe und keine Pein
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Könne zu schwer und schmerzlich sein!
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Nach vielem Prüfen und Erwägen,
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Besorgt ums Wohl der Menschen alle –
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Und Amors auch in diesem Falle –
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Beschlossen die Richter: Die Torheit nütze
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Zur Sühne dem Amor als Stab und Stütze,
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Sie habe ihm immer zur Seite zu schreiten
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Und jeden seiner Schritte zu leiten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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