Vier Weltentdecker, nackt der Wut des Meers entflohn

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Jean de La Fontaine: Vier Weltentdecker, nackt der Wut des Meers entflohn Titel entspricht 1. Vers(1658)

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Vier Weltentdecker, nackt der Wut des Meers entflohn,

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Ein Kaufmann, ein Baron, ein Hirt, ein Königssohn,
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Von gleicher Armut alle jetzt wie Belisar,
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Erbettelten zur Lindrung ihrer großen Not
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Von fremden Leuten nun ihr Brot.
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Zu sagen, welcher Zufall diese kleine Schar
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Zusammenschloß, aus der ein jeder anders war,
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Erscheint mir unnütz ganz und gar.
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Sie setzten schließlich sich bei einem Brunnen hin
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Und hielten Rat, die armen Leute.
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Der Prinz beklagte, daß die Großen oft die Beute

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Des Unglücks sind. Der Hirt dagegen sprach: »Ich bin

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Der Meinung, jeder lasse eitles Jammern ruhn,
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Um besser das, was gegenwärtig hilft, zu tun.
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Kein Klagen heilt; nur Arbeit schenkt Gewinn,
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Mit ihr vermögen wir bis Rom zu ziehen!«
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So sprach ein Hirt? – Was findet ihr darin?
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Meint ihr, gekrönten Häuptern einzig habe
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Der Himmel Weisheit und Verstand verliehen,
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Und Hirten hätten keine größre Geistesgabe
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Als ihre Schafe? – Nun, der Rat des Hirten
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Gefiel den andern drei,
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Die an Amerikas Gestade mit ihm irrten.
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Der Kaufmann sprach, er sei
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In Rechenkunst erprobt und wolle Stunden geben.
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»ich lehre Politik,« versprach der Königssohn.
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»ich kenne die Heraldik wie mein Leben,«
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Erklärte eifrig der Baron;
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»ich werde Schüler nehmen gegen guten Lohn.«
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Als ob man auch in jenen wilden Landen schon
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Intresse hätte für so leere Eitelkeit.

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Es sprach der Hirt: »Recht gut, doch leider nicht gescheit;

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Des Monats dreißig Tage sind nicht schnell entflohn,
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Wir können schwerlich bis zu eurem Zahltag fasten.

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Die Hoffnung, die ihr zeigt, ist schön, doch liegt sie weit;

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Wir dürfen nicht so lange rasten.
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Ich habe Hunger währenddessen.
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Sagt doch, mit welcher Sicherheit
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Beschafft ihr morgen unser Mittagessen?
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Und wer sorgt heute für das Abendessen?
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Denn darum handelt sich's vor allen Dingen.
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Es reicht mir eure Wissenschaft nicht hin,
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Doch meine Hand soll Rettung bringen.«

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Er sprach's und ging zum Wald und machte Reisig dort,

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Verkaufte dieses Tag für Tag, und sein Gewinn,
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So klein er wohl auch war, verhinderte hinfort,
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Daß jene, die gleich ihm nicht lang zu fasten wußten,
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Nicht schließlich »drunten« ihre Gaben üben mußten.

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Was dies Geschehnis lehrt? – Das Leben zu erhalten,
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Bedarf’s an Künsten wenig nur:
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Laßt nur die Gaben der Natur
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Und eure Hand als schnellste Helfer walten!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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