Man muß einander helfen, fordert die Natur

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Jean de La Fontaine: Man muß einander helfen, fordert die Natur Titel entspricht 1. Vers(1658)

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Man muß einander helfen, fordert die Natur.

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Der Esel, sonst die beste Kreatur,
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Versäumte einmal dies;
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Weiß nicht, warum er's unterließ.
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Er trabte in gemessnem Schritt
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Gedankenlos durchs Feld,
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An seiner Seite lief der Bauer mit,
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Dem sich sein treuer Hofhund zugesellt.
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Der Mann legt unter Bäumen sich zum Schlaf,
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Der Esel macht sich drauf ans Grasen
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Und freut sich, daß er's günstig traf:
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Rings grünt ein schmackhaft frischer Rasen.
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Zwar fehlt die Distel, doch er fügt sich drein.
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Für heute nicht zu anspruchsvoll zu sein,
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Obschon ein Mahl, das keine Distel würzt,
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Dem Tafelnden die reinste Freude kürzt.
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Nun, Langohr weiß es zu ertragen
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Und sich für diesmal zu bescheiden.
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Der arme Hund sah zu mit leerem Magen

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Und sprach: »Ach Freund, wie muß ich Hunger leiden!
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Wenn du dich bücken möchtest, könnte ich mein Essen

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Aus deinem Korbe mir von deinem Rücken nehmen.«
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Doch Langohr hatte keine Lust, beim Fressen
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Zu diesem Freundschaftsdienst sich zu bequemen.
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Er blieb den Bitten stumm und kalt,
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Und schließlich sprach er mit Bedacht:
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»freund, warte, bis der Herr erwacht,
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Der gibt dir dann, was dir gehört.«
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Kaum ist's gesagt, stürzt aus dem Wald
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Ein Wolf, den auch der Hunger plagt.
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»zu Hilfe!« ruft der Esel ganz verstört.
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Der Hund bleibt regungslos und sagt:
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»freund, warte, bis der Herr erwacht
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Und sich zu deinem Schützer macht.
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Flieh nur einstweilen, bis er kommt!
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Das ist mein Rat, der dir am besten frommt.
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Und holt der Wolf dich etwa ein,
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So schlage unbedenklich drein,
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Es ist nicht lange her, daß man dich neu beschlagen.«
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Er brauchte weiter nichts zu sagen,
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Schon nahm der Wolf den Esel fest beim Kragen.

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Ich meine, daß es stets das beste sei,
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Der eine steht dem andern treulich bei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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