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Ein Gartenfreund, halb Städter und halb Bauersmann,
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Besaß bei einem Dorf ein hübsches Gartenfeld.
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Das hat er voller Fleiß bestellt
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Mit Ampfer und Salat und was man brauchen kann,
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Um Margot Sonntags einen Strauß zu binden:
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Jasmin und Quendel waren dort zu finden.
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Da dies Idyll ein Hase störte, ging der Mann
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Zum Schloßherrn, um darüber Klage vorzubringen.
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»es nimmt«, so sprach er, »abends spät und morgens früh
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Dort seinen Wechsel das verfluchte Vieh.
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Es spottet aller Schlingen,
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Und Steine nicht noch Knüppel können es bezwingen.
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Ein Hexenmeister scheint's zu sein!«
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»ein Hexenmeister?« lacht der Herr; »ich hege Zweifel,
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Doch wär es selbst der Teufel,
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Mein Hektor fing ihn ein!
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Bei Gott, mein Freund, ich werde dich davon befrein!«
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»und wann?« – »Und morgen – unverzüglich.«
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Auf morgen kam man also überein.
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Der Herr erscheint mit Hund und Leuten hinterdrein.
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»frühstücken wir!« sagt er vergnüglich.
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»sind deine Hühner zart? – Sieh da, dein Töchterlein!
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Tritt näher, Schätzchen! Nun, wann soll denn Hochzeit sein?
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Wann haben wir den Eidam hier?
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Man säume nicht, daß man die Sache vorbereite.«
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So knüpft er die Bekanntschaft an mit ihr,
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Gewährt ihr Platz an seiner Seite,
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Nimmt ihre Hand, den Arm und hebt gelind
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Sich aus Respekt nur zag erwehrt,
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Was ihrem Vater kein Gefallen abgewinnt.
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Inzwischen wird die Küche arg geleert.
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»sind deine Schinken frisch? Sie sehn vorzüglich aus!«
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»herr, sie sind Euer.« – »Oh, wir nehmen gern sie mit!«
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Der Herr hält Mahl mit seinem ganzen Haus,
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Auch Hund und Pferde zeigen großen Appetit.
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Der Herr befiehlt herum und nimmt sich viel heraus,
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Trinkt unsers Landmanns Wein
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Und kost sein Töchterlein.
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Dem Frühstück folgt der Jagdtumult.
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Man rüstet, lärmt voll Ungeduld,
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Die Hörner und Trompeten toben drein,
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Es scheint die Hölle los zu sein!
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Wie hat man da den armen Garten zugerichtet!
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Ihr schönen Beete all, ade!
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Ade, Zichorie und Porree!
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Der Biedermann steht wie sein Garten ganz vernichtet.
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Kaum reicht es noch für einen Teller Suppe hin.
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Der Hase saß versteckt in einem Kohlbeet drin;
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Man sucht und hetzt ihn, und er flüchtet
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Schnell durch ein Loch der Hecke, das der Herr zuvor
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Dort hauen ließ; doch war's kein Loch, es war ein Tor,
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Damit man hoch zu Pferde durch die dichten Hecken
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Das Wild verfolgen könne, um es hinzustrecken.
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»ach,« rief verzweifelt unser Mann,
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»das hier sind fürstliche Vergnügen!«
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Jedoch er mußte in Geduld sich fügen,
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Denn keiner hörte seine Klagen an.
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Man jagte weiter um die Wette,
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Als die gesamte Hasenschar aus weiter Runde
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In hundert Jahren angerichtet hätte.