Man kann den Magen wohl als Bild

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Jean de La Fontaine: Man kann den Magen wohl als Bild Titel entspricht 1. Vers(1658)

1
Man kann den Magen wohl als Bild
2
Des Königtums erblicken:
3
Ist er von einer Not erfüllt,
4
Wird sie den ganzen Körper drücken.

5
Einmal geschah es, daß die Glieder grollten,
6
Sie müßten alles schaffen für den Magen,
7
Und sie beschlossen, daß sie feiern wollten:
8
Das Nichtstun würde ihnen auch behagen.
9
»er möge«, sagten sie, »sich selber doch ernähren.
10
Was sollen wir uns ewig für ihn plagen?
11
Wir mühn uns ab – für wen? für ihn allein!
12
Und er will keinen Tag der Ruhe uns gewähren,
13
Will immerfort von uns gefüttert sein.
14
Wir feiern jetzt – nach seinen eigenen Lehren!«
15
Gesagt, getan. Die Hände faßten nichts mehr an,
16
Es schlief der Arm, es ruhten Fuß und Bein.
17
Dem Magen rieten sie, sein eigner Koch zu sein.
18
Doch schlimmer, als der tolle Streich begann,
19
War bald die Folge, die man schwer bereute:
20
Des Magens Darben schuf kein neues Blut,
21
Von Kräften kamen die betörten Leute,
22
Jeder verlor, kein einziger gewann.
23
Und so erkannten die Rebellen gut,
24
Daß er, den sie voll Frevelmut
25
Den schlimmsten Müßiggänger schalten,
26
Mehr tat als sie, um alles gut in Gang zu halten.

27
Genau so, dünkt mir, sieht es aus
28
Mit uns und unserm Königshaus.
29
Wir alle liefern Arbeit für die Majestät,
30
Die ihrerseits besorgt vom Thron herniederspäht,
31
Handwerk und Ackerbau und Handel hebt,
32
Die Amtspersonen überall bestellt,
33
Das Heer besoldet, Künstler unterhält
34
Und stets nach Glanz und Ruhm des Landes strebt.
35
Wir alle dienen einer Obrigkeit,
36
Und sie allein belebt den ganzen Staat.
37
So schlichtete Menenius einst den Streit,
38
Da sich vom stolzen römischen Senat
39
Empört getrennt das Proletariat.
40
Es grollte, er allein besitze alle Macht,
41
Verfüge über Gut und Geld und Ehr und Würde,
42
Indessen ihm, dem Volk, nichts sei von aller Pracht,
43
Nur Not und Steuern und des Krieges harte Bürde.
44
Sie fühlten vom Senat sich jämmerlich betrogen
45
Und waren schon vereint zum Tor hinausgezogen,
46
Um auszuwandern in ein beßres Land,
47
Als klug Menenius jene Fabel fand,
48
Der die Geschichte dann Unsterblichkeit bescherte.
49
Das Gleichnis von den Gliedern war's, das sie bekehrte
50
Und fest wie je zuvor mit ihrem Staat verband.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.