Ein Wolf war nichts als Haut und Knochen

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Jean de La Fontaine: Ein Wolf war nichts als Haut und Knochen Titel entspricht 1. Vers(1658)

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Ein Wolf war nichts als Haut und Knochen,
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Die treuen Hunde waren schuld daran.
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Wie er nun einst so matt des Wegs gekrochen,
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Traf er die schönste, stärkste Dogge an,
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Die sich vom Herrenhof verlaufen hatte.
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Der Hund war solch ein fester, wohlgenährter Klotz,
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Daß neben ihm der Wolf nur eine hagre Latte.
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So gern der's auch getan, so schien's ihm leider Gotts
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Höchst ungeraten, diesen Burschen anzuspringen,
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Denn solch ein Gegner war so leicht nicht zu verschlingen.
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So also sprach voll Demut unser Wolf ihn an
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Mit Komplimenten über seine Wohlgestalt.
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Da sprach der Hund: »Mein schöner Herr, liegt Euch daran,
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So fett zu sein wie ich, nun, so verlaßt den Wald,
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In dem nur arme Schlucker lungern.
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Ihr lebt ja nur, um zu verhungern,
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Habt Tag und Nacht nicht Ruh und nichts zu schnabulieren;
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Folgt mir, Ihr werdet ein vergnügtres Leben führen.«
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Da sprach der Wolf: »Was hätte ich dafür zu leisten?«
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Der Hund: »Fast nichts! Nur Leute zu verjagen,
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Die Bettelsäcke oder Stöcke tragen,
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Dem Hausgesind zu schmeicheln, und am meisten
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Dem Herrn. Als Sold bekommt Ihr schöne Rester,
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Hühner- und Taubenknochen – ja, mein Bester! –
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Und manches Kosewörtchen obendrein.«
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Der Wolf glaubt schon im Paradies zu sein.
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Er weint vor Glück und will den Hund begleiten.
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Da sieht am Hundehals er eine Stell,
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»was ist das?« fragt er. – »Nichts!« – »Wieso?« – »Ach, Kleinigkeiten!« –
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»nun was denn?« – Drauf der Hund:
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»das Halsband meiner Kette rieb mich wund.« –
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»wie? Was? In Ketten dienet Ihr?
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Lauft nicht, wohin Ihr wollt?« –
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»nicht immer. Doch was tut's?« – »Es tut so viel, daß mir
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Die Lust vergeht nach Eurem schönen Sold.
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Ich ging nicht mit um eine ganze Kuh!«
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Und Meister Wolf hat sich getrollt
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Und läuft noch immerzu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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