Gott, der Gesetzgeber

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Peter Uz: Gott, der Gesetzgeber (1758)

1
Menschen, hört mit ehrfurchtvollem Schweigen!
2
Gott will selbst von seinem Throne steigen:
3
Betet an vor ihm! Er spricht.
4
Auch das Meer, das schon mit schnellem Grimme
5
Brüllend schwillt, gehorchet seiner Stimme,
6
Wenn sie donnert: stürme nicht!

7
Staub, den ich gebildet und beseelet,
8
Und aus Huld zu weisem Glück erwählet,
9
Höre, Mensch, ich rede dir!
10
Hab ich dir nicht, was du hast, gegeben?
11
Hast du nicht den Funken, dieses Leben,
12
Das du athmest, nur von mir?

13
Bin ichs nicht, der Sonnenschein und Regen
14
Gütig giebt, und dich mit mildem Segen
15
Aus der Erde Schoose nährt?
16
Der dein Vieh auf kräuterreichen Weiden
17
Dir erhält, dir ungezählte Freuden,
18
Alle, die du hast, gewährt?

19
Und was ists, das ich dagegen fodre?
20
Liebe nur! die reinste Liebe lodre
21
Gegen mich in jeder Brust!
22
Jedermann, der Erdkreis soll es hören!
23
Jedermann verläugne mir zu Ehren
24
Sich und alle seine Lust!

25
Seufzest du bey meinen Foderungen?
26
Reichthum, Ehr und Lob von feilen Zungen,
27
Dieser Tand betrübt dich nun?
28
Was aus Pflicht du nicht verweigern könntest,
29
Solltest du, wenn du dir Gutes gönntest,
30
Selber dir zu Liebe thun.

31
Kann der Geist, gefesselt an der Erden,
32
Sich mir nahn? Gereinigt muß er werden,
33
Und was irdisch ist, verschmähn.
34
Denn befleckt durch niedre schnöde Triebe,
35
Kann er mich, den würdigsten der Liebe,
36
Mich den heiligsten, nicht sehn:

37
Kann er nicht an jenen Ort gelangen,
38
Wo vor mir die reinen Geister prangen,
39
Reiner, als das Sonnenlicht,
40
Und, mit Glanz und Herrlichkeit umgeben
41
Höchstbeglückt erhabnen Freuden leben,
42
Die kein Wechsel unterbricht.

43
Denn, o Mensch, so groß ist meine Güte,
44
Daß ich dir, beglückt zu seyn, gebiethe,
45
Nicht beglückt nur in der Zeit.
46
Wolltest du für deinen Gott nicht bluten?
47
Er vergilt nur wenige Minuten
48
Dir mit einer Ewigkeit.

49
Höchster Gott, Beherrscher meiner Tage!
50
Dir gelobt Gehorsam, ohne Klage,
51
Dir, Herr, dein Geschöpf, dein Knecht.
52
Du bist weis', auch wann du mich betrübest;
53
Du gebeutst, o Vater, weil du liebest;
54
Die Gebote sind gerecht:

55
Wann, verhüllt von einer lichten Wolke,
56
Du im Thal die Niedrigsten vom Volke
57
Lehrst, von Menschenhuld belebt:
58
Oder, wann in schwarzen Ungewittern
59
Du gebeutst, und die Gefilde zittern,
60
Und der Sinai erbebt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Peter Uz
(17201796)

* 03.10.1720 in Ansbach, † 12.05.1796 in Ansbach

männlich, geb. Uz

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.