Den Tod Des Freyherrn Johann Friedrich von Cronegk beklagen Seine Freunde

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Johann Peter Uz: Den Tod Des Freyherrn Johann Friedrich von Cronegk beklagen Seine Freunde (1758)

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Wir warteten umsonst, von Cronegks Tod zu singen,
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Auf späten Trost entfernter Zeit:
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Noch itzt umschattet uns, mit fürchterlichen Schwingen,
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Die unbesiegte Traurigkeit.
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Umsonst gelobten wir den schlafenden Gebeinen
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Ein Lied, ein unvergänglich Lied:
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Wir denken Cronegks Grab, und weinen,
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Und jede Muse flieht!

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O Grab des liebsten Freunds! O Cronegk, theurer Nahme,
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Sonst unser Stolz, nun unser Schmerz!
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Die Zeit, mit ihrem Trost, entwölkt von finsterm Grame
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Nur unsre Stirn, nicht unser Herz.
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Wir trauern schweigend fort, und haben Recht zu trauern:
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Dein Herz war uns zu nah verwandt!
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Muß doch die Menge Dich bedauern,
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Die Dich nur halb gekannt.

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Wenn sie, bey Deinem Grab, nur weil Du kurz gelebet,
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Um Deine schöne Jugend weint,
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Und Deine Gütigkeit mit nassem Aug erhebet;
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Beweinen wir in Dir den Freund:
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Den Freund voll Zärtlichkeit, der mit Geschmack und Sitten
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Ein liebenswürdig Herz verband,
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Selbst litt, wenn seine Freunde litten,
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Und selbst ihr Glück empfand:

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Den Edlen, den Sein Herz mehr, als Geburt, geadelt,
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Und keine niedre That entehrt;
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Den kühne Schmähsucht selbst nur leis und schüchtern tadelt,
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Nur bey dem Pöbel, der sie hört;
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Der Tugend ächten Freund, doch einer sanften Tugend,
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Die, von den Grazien geschmückt,
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Umkränzt mit Rosen muntrer Jugend,
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Durch stillen Reiz entzückt.

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Nicht rauschendes Verdienst, das Nationen preisen,
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Nicht Ruhm, erhitzter Ehrsucht Kind,
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Das Herz macht unsern Werth bey aufgeklärten Weisen,
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Die unsre wahre Richter sind:
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Ein Herz, wie Cronegks Herz, das bloß aus Menschenliebe
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Den Menschen wohl zu thun sich freut,
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Und wenn es auch verborgen bliebe,
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Das Gute nicht bereut.

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Er gönnte schimmernd Glück, das Tausende beneiden,
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Den Sclaven ungeliebter Pracht:
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Sein Stolz war beßrer Art! Er hätte voller Freuden
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Auch eine Welt beglückt gemacht.
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Nur Freunde kannten Ihn und wußten Ihn zu schätzen:
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Wir haben Ihn zu sehr gekannt,
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Und Welten können nicht ersetzen,
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Was uns das Grab entwandt!

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Wenn Cronegk um uns war, o welche güldne Stunden!
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O güldne Zeit, die schnell verstrich!
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Hält nun ein dunkles Grab den leichten Scherz gebunden,
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Der nie von Seinen Lippen wich?
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Dieß glückliche Genie, das flüchtig, gleich dem Blitze,
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Durch alle schöne Kenntniß flog,
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Und Süßigkeit, mit scharfem Witze,
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Von allen Blumen sog?

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Sein reizend Saitenspiel, wo holde Lieder tönten,
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Sonst unsre Lust, ist uns geraubt?
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Die Musen liebten Ihn, mit frühen Lorbeern krönten
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Die Musen ihres Lieblings Haupt.
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Er sang mit Leichtigkeit und feuriger Empfindung,
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Ein Schüler Gellerts und sein Freund,
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Stets unerschöpflich an Erfindung,
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Und allem Unsinn feind.

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Er hatte, da durch ihn die Tugend lehren wollte,
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Das hohe Trauerspiel erwählt:
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Wir hofften daß an Ihm auch Deutschland haben sollte,
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Was ihm vor andern Völkern fehlt:
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Den griechischen Cothurn, den Schmuck der bessern Bühne,
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Corneillens kühn erhabnen Geist,
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Mit aller Anmuth des Racine,
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Die uns zu Thränen reißt.

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Umsonst! Melpomene weint, unter den Cypressen,
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Um Cronegk, der so viel versprach.
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Der Hain, in welchem Er oft neben ihr gesessen,
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Seufzt ihre Klagen traurig nach.
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Die Musen gehn betrübt in einsamen Gesträuchen,
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Und klagen: unser Freund ist todt!
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O Musen, müssen wir euch gleichen?
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Auch unser Freund ist todt!

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Er ist auf ewig hin! verblühn so grosse Gaben
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Noch ungereift und kaum gekannt?
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Die Welt, wo Tugenden dieß rauhe Schicksal haben,
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Regiert ein göttlicher Verstand?
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Wir zweifeln? sollten wir das grosse Ganze kennen,
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Dieß Ganze, das kein Auge mißt;
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So würden wir nicht Fehler nennen,
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Was regelmäßig ist.

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Vermessen fragen wir nach jedes Zufalls Grunde:
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Was unser Schöpfer will, ist gut.
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Er wählt für unsern Tod die allerbeste Stunde,
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Die vor des Schicksals Throne ruht.
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Zwar wider die Vernunft will sich der Schmerz empören,
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Der vor sich hin zur Erde schaut.
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Wir müssen doch zuletzt sie hören:
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Sie ruft uns allzulaut.

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Sie sagt uns: Cronegk lebt in einer höhern Sphäre!
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Wir glauben ihr mit Freudigkeit:
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Wenn nicht sein beßrer Theil dem Grab entronnen wäre,
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Wo wär ein Trost für unser Leid?
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Er lebt! in jene Welt der Geister aufgenommen,
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Setzt Er sein Leben ewig fort:
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Was hier zur Reife nicht gekommen,
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Das reift und blühet dort.

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So hangen Ewigkeit und unsre Zeit zusammen,
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Durch einen fürchterlichen Pfad!
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Was konnte
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Der diesen Weg getrost betrat?
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Wie? kann mit heitrer Stirn der muntre Jüngling scheiden,
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Der, schimmernder Entwürfe voll,
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Und aus den Armen aller Freuden,
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Zum Grab entweichen soll?

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Die drohende Gefahr schwebt' um den edlen Kranken:
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Nun wog Er Ewigkeit und Zeit;
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Und Seine Seele war voll würdiger Gedanken,
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Gedanken der Unsterblichkeit.
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Die Hoffnung sah erstaunt, in diesen ernsten Stunden,
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Den jungen Weisen ihr entfliehn:
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Die Erde war vor Ihm verschwunden,
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Und Himmel war um Ihn.

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Du Mutter unsers Freunds, die vor Ihm hingegangen,
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Wo die gekrönte Tugend wohnt,
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Und sterbend Ihn gelehrt, den Lorbeer zu erlangen,
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Der wahren Heldenmuth belohnt:
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Wenn du Ihn sterben sahst (den schönen Tod des Weisen
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Sehn auch Unsterbliche mit Lust)
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Wie glücklich mußtest du Ihn preisen,
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Den du bewundern mußt!

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Wie brannte nicht dein Herz, als, nach beglücktem Streite,
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Dich dieser theure Sohn umfieng,
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Und, selbst unsterblich, nun an einer Mutter Seite
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Durch jauchzende Gerechte gieng?
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Du segnetest den Tod, der Ihn aus Finsternissen
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Und Schlingen lockender Gefahr,
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Zu einer bessern Welt entrissen,
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Die Cronegks würdig war.

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Sollt ungestümer Schmerz des Weisen Grab entweihen,
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Der zur Unsterblichkeit gelangt?
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Doch auch die Weisheit wird ein stilles Leid verzeihen,
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Das nicht mit stolzen Thränen prangt.
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Verzeih, Unsterblicher, die wehmuthvollen Thränen,
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Die ein geliebter Vater weint!
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Verzeih der Freundschaft zärtlich Sehnen
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Nach Dir, dem besten Freund!

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Wir sehn, um Mitternacht, in jene blaue Ferne,
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Wohin die Tugend Dich erhob:
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Wo bist Du? seufzen wir; auf welchem lichten Sterne
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Besingst Du nun der Gottheit Lob?
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Der Himmel hört entzückt die Harmonie der Lieder!
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Du wirfst noch einen kurzen Blick
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Nach unsrer dunkeln Erde nieder,
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Und fühlst Dein ganzes Glück.

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Wir singen Deinen Ruhm, und schildern fernen Tagen
154
Dein Herz und unsre Freundschaft ab.
155
Die Nachwelt müss' um Dich aus unsern Liedern klagen!
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Sie streue Blumen auf Dein Grab!
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Wir werden späte noch Dir manche Thräne schenken:
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Auch wenn wir künftig uns erfreun,
159
Soll unsers Cronegks Angedenken
160
Uns immer heilig seyn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Uz
(17201796)

* 03.10.1720 in Ansbach, † 12.05.1796 in Ansbach

männlich, geb. Uz

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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