An die Freyheit

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Johann Peter Uz: An die Freyheit (1758)

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Du, die den nackten Wilden
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In Wäldern glücklich macht,
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Und unter königlicher Pracht
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Noch in Britanniens Gefilden
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Vom güldnen Thron gebeut,
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Im Schooße stolzer Sicherheit:

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Du Mutter wahrer Freuden,
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Nicht bloß im Ueberfluß,
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O Freyheit, unter deren Fuß
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Auch Felsen und verbrannte Heiden
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Von ungewohntem Grün
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Und tausend Bluhmen duftend blühn!

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Erstaunte Völker melden
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Die Wunder deiner Hand:
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Du schmückest ein geliebtes Land
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Mit Patrioten, Weisen, Helden:
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Derselben Arm und Rath
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Sind ehrne Mauern um den Staat.

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Beseelt von deinem Feuer,
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Denkt jeder Bürger groß.
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Die Muse flieht in deinen Schooß,
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Und ihre hochgestimmte Leyer
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Tönt göttlichen Gesang,
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Wie sonst am Tieberstrom erklang.

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Doch träg, in dunkler Höhle,
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Liegt feige Sklaverey:
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Sie lähmt im Joch der Tyranney
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Die kühnen Schwingen unsrer Seele:
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Sie wischt erhabne Lust
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Zum wahren Ruhm aus unsrer Brust.

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Sie hat des Menschen Leben
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Und was ihm heilig heißt,
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Und seinen freygebohrnen Geist
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Der frechen Willkühr preis gegeben,
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Die unser Blut vergießt,
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Wie Wasser, das am Wege fließt.

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Gieb, Göttinn, deinen Freunden,
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Den Alemannen Muth!
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Wie? Eigennutz und blinde Wuth
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Verrathen uns verschmitzten Feinden?
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Spricht uns ein Fremder schon
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In unsern festen Städten Hohn?

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Ist Leiden, nicht, sich Rächen,
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Nun freyer Deutschen Pflicht?
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Wie wird von unsrer Schande nicht
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Die Nachwelt einst erröthend sprechen
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Und zürnen, wann sie hört,
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Daß Deutschland seine Feinde nährt:

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Wo seine Fürsten wohnten,
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Nun einsam Elend ist,
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Und räuberische Flamme frißt,
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Was Geiz und Plünderung verschonten,
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Bis Deutschland keine Stadt,
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Nur seiner Städte Leichen hat!

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So tief sind wir gesunken!
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Wer diese Frevel sieht,
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Und nicht von edlem Unmuth glüht,
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Hat der an deutscher Brust getrunken?
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Mit nahem Joch bedroht,
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Scheut ein Germanier den Tod?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Uz
(17201796)

* 03.10.1720 in Ansbach, † 12.05.1796 in Ansbach

männlich, geb. Uz

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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