Ich will, vom Weine berauscht, die Lust der Erde besingen

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Johann Peter Uz: Ich will, vom Weine berauscht, die Lust der Erde besingen Titel entspricht 1. Vers(1741)

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Ich will, vom Weine berauscht, die Lust der Erde besingen,
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Ich will die Zierde der Auen erhöhn,
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Den Frühling, welcher anitzt, durch Florens Hände bekränzet,
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Siegprangend unsre Gefilde beherrscht.

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Fangt an! was säumet ihr euch? Fangt an, holdselige Saiten!
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Entzückt der Echo begieriges Ohr!
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Auch ich entbrenne bereits: da stehn schon lauschende Nymphen,
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Nur halb durchs junge Gesträuche bedeckt.

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Was seh ich? Blicket hinauf! die Luft wird plötzlich erheitert;
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Es grünt der Erde befruchtete Schooß;
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Wohin mein Auge geräth, da sprossen frühe Violen;
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Was soll hier diese beflügelte Schaar?

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Wer zieht im Pompe daher? Du, Lenz, Geschenke des Himmels!
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Du hast die schreckliche Kälte besiegt,
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Und nun, o liebliches Haupt der nicht mehr traurigen Auen!
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Dein langverlassenes Erbe besucht.

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Der Reiz, den Hebe gebahr, schwebt, vom Cupido begleitet,
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Der siegbegierige Pfeile bewegt,
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Bey dir geschäfftig umher, bey dir, dem Freunde Cytherens,
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Dem Glanz die selige Stirne bestralt.

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Ein Chor der Freuden ereilt des Zephyrs flüchtige Söhne
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In Tänzen, welche die Flöte belebt,
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Rings um den Wagen herum, worinn die gütige Sonne
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Dich, Kind derselben! auf Erde gesandt.

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Durchzeuch nicht länger, o Nord! verheerend unsre Gefilde!
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Flieht wieder, stürmische Winde! zurück.
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Der Frühling herrschet hieselbst, den, in beschwerlicher Hitze,
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Der West durch sänftere Fittige kühlt.

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Wie reizt mich eure Gestalt, seitdem der prächtige Frühling
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Euch, anmuthsvolle Gefilde! bewohnt!
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Erlaubt mir, ewig in euch, durch Laub und Blüthe beschattet,
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Um lieblich murmelnde Bäche zu ruhn.

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Hier lacht die heitere Luft und droht durch keine Gewölke;
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Es lacht die ganze schmaragdene Flur,
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Sie ist, vom Thaue beperlt, ein Sitz der schmeichelnden Anmuth,
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Und lädt zum Kusse, den Amor erhitzt.

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Da stehn die Blumen umher und düften kräftigen Ambra;
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Die süßen Früchte der ehligen Huld,
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Womit der zärtliche West, in holder Stille des Abends,
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Um Florens reizende Brüste gescherzt.

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Sey itzt, o Flora gegrüßt, dieweil du liebliche Kinder,
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Zumal die göttliche Rose, gebahrst,
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Die selbst der Gratien Hand zum stolzen Throne geführet,
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Und durch bedornte Gesträuche beschützt;

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Und mit der Könige Tracht, dem Purpurkleide, geschmücket,
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Womit, durch artige Hände geraubt,
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Sie Amors güldenes Haar, der Nymphen Schläfe bekränzet,
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So oft sie fröliche Feste begehn.

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Wohlan, bekränzet anitzt auch mich, o göttliche Rosen!
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So flieht die traurige Sorge dahin;
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So naht kein Kummer heran; so wird der prächtige Frühling
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Mit Lust durch meine Gesänge gerühmt.

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Er hat durch himmlische Gluth euch, meine Töne, begeistert;
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Durch ihn sind alle Geschöpfe beseelt,
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Und selbst das todte Gehölz und Thal und alle Gebürge
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Und euch, bevölkerte Lüfte! belebt.

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Drum ist die Stille geflohn und herrscht in wenigen Oertern;
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Der Lärm regieret im heiligen Häyn,
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Wo bald das sichere Wild, das Lust und Liebe gejaget,
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Mit Brüllen rasche Gebüsche bestreicht:

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Bald tönt durchs ganze Revier die Brunst entzündeter Heerden;
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Dann girrt die zärtliche Taube dazu,
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Und tief im Busche beseufzt Pandions einsame Tochter
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Den Brand, der ihre Gebeine bekämpft.

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Denn alles fühlet anitzt des Frühlings mächtige Triebe;
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Nun hat der Liebe gefürchteter Arm
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Was lebt, im Wasser, auf Erd und in den ewigen Höhen;
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Nur dich nicht, stolze Dorinde! besiegt.

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Wie hast du, Schönste! gewagt, mit diesem Feinde zu streiten?
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Ich seh ihn; eile geschwinde davon!
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Er kömmt, zum Kampfe bereit, und hat die Pfeile geschärfet,
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Und schon die blutige Sehne gespannt.

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Vor seinem streitbaren Arm ist noch kein Herze bestanden:
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Auch du wirst, stolze Dorinde! besiegt,
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Wann itzt der feurige Lenz ihm hilft im Streite gewinnen,
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Der allzeit seine Triumphe gemehrt.

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Genug vor itzo gescherzt; genug der Liebe geschmeichelt!
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Nun sind mir größre Geschäffte bestimmt.
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Hört auf! was säumet ihr euch? Hört auf, holdselige Saiten!
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Ich bin auf höhere Töne bedacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Uz
(17201796)

* 03.10.1720 in Ansbach, † 12.05.1796 in Ansbach

männlich, geb. Uz

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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