Lobgesang des Frühlings

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Johann Peter Uz: Lobgesang des Frühlings (1741)

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Wie lang hat meine Muse schon,
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Die Witz und edle Einfalt ehret,
3
Am blumenvollen Helikon,
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Den Musen Griechenlands begierig zugehöret!

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Nun aber will sie selbst einmal
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Die hochgestimmte Cyther schlagen;
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Doch Mavors blutbefleckter Stal
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Verbeut ihr, sich ins Feld, voll Furchtsamkeit, zu wagen.

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Sie schlich sich zwar, mit seltnem Muth,
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Jüngsthin ins dicke Kriegsgedränge,
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Und sann auf Leichen und auf Blut
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Und in erhitztem Kampf, auf kriegrische Gesänge.

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Sie drang mit Zittern an den Ort,
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Wo, trotz der Glut, die donnernd krachte,
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Durch Muth und durch sein mächtig Wort
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Sich Brandenburgs Monarch das Kriegsglück dienstbar machte.

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Doch Phöbus riß sie aus dem Brand,
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Und bracht, durch ihre Furcht gerühret,
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Sie in das sonnenreiche Land,
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Allwo der Wahrheit Faust den sanften Zepter führet.

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Hier, sprach er, wo kein Mörsel wühlt,
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In diesen ungestörten Gründen,
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Versuche, wie dein Finger spielt;
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Du kannst auch hier den Stoff zu hohen Liedern finden.

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Dort, in der Göttinn Heiligthum,
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Wo Licht und reiner Schimmer lachen,
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Da thront ihr Liebling und ihr Ruhm,
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Wolf, der für Eifer glüht, die Wahrheit groß zu machen.

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Sie reicht, auf unschätzbarem Gold,
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Ihm necktarreiche Götterspeise,
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Die jener fette Weinstock zollt,
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Der um den Tempel kriecht, gepflanzt von ihrem Fleiße.

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Wolf reicht es nun dem Grafen dar,
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Der Philurenens Fluren schmücket;
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Den schon die frohe Musenschaar,
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Die seine Rechte schützt, bis an die Sterne rücket.

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Der hat, von hoher Glut entbrannt,
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Den lorbernwerthen Bund errichtet,
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Der durch ein neugeknüpftes Band,
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Der Wahrheit beyzustehn, jedweden Freund verpflichtet.

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Was kömmt da für ein kühner Held?
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Es fliegt der Sieg an seiner Seite;
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Die Klugheit ist ihm beygesellt;
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So sieht der Kriegsgott aus, erhitzt vom scharfen Streite.

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Wer kann es sonst, als Friedrich, seyn?
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Der ist es, ja, des Feindes Schrecken.
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Er hängt in jenem Palmenhäyn
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Die güldnen Waffen auf, die Staub und Blut bedecken.

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Ihn küßt der Göttinn holder Mund;
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Es ruht auf ihm ihr ganzes Glücke:
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Er thut ihr seine Liebe kund,
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Und schaut auf Wolfen hin, mit gnadenvollem Blicke.

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Nun sieh ihn an, nun gleicht er mir;
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Die Flöte reizt in seinen Händen,
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Es schweigt das lüsterne Revier
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Bey seiner Töne Pracht, die meinen Ruhm entwenden.

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Drum fliehn die Musen öffentlich
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Zu diesem weisen Ueberwinder;
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In Friedrichs Arme flüchten sich
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Geschmack und ächter Witz, der Wahrheit schönste Kinder.

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Nun, da sein Anblick sie belebt,
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So springt in freudenvollen Tänzen,
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Dort, wo ein kühler Schatten schwebt,
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Die fest verschlungne Schaar, geziert mit Rosenkränzen.

65
O laß dir diese güldne Zeit
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Noch mehr als Friedrichs Muth gefallen:
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Hiervon, und nicht von Krieg und Streit,
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Du junge Muse! laß die neuen Saiten schallen.

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So sprach er! und die Muse brennt,
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So hohe Dinge zu besingen;
71
Doch, weil sie ihre Schwäche kennt,
72
So läßt ihr Mund vorher ein niedrers Lob erklingen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Uz
(17201796)

* 03.10.1720 in Ansbach, † 12.05.1796 in Ansbach

männlich, geb. Uz

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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