Doris Andencken an den seligen Thirsis

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Samuel Gotthold Lange: Doris Andencken an den seligen Thirsis (1746)

1
Komm, Freundschaft, komm, beschaue die Gegend
2
Sieh hin, wo sonsten Thirsis gesessen
3
Sag, ob du nicht die Spuren gefunden,
4
Der redlichsten Treu.

5
Du wirst daselbst die Thränen noch finden,
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Die einst sein Damon häufig vergossen
7
Die nicht den strengen Pluto erweichten.
8
Sie liegen noch da.

9
Der strengste Frost der rauhesten Winde
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Der Fluß und Meer mit Eise beharnischt,
11
Und der das Land mit Flocken bedecket,
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Wagt sich nicht an sie.

13
Der dürre Staub trägt scheu sie zu decken.
14
Die Hitze des vertrocknenden Mittags
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Die Luft, davon der Pilgrim ermüdet,
16
Berzehret sie nicht.

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Bleibt ewig, bleibt, geheiligste Thränen
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Euch sehn die späten Zeiten verwundernd
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Und klagen, daß die seltenste Tugend
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Ein Grabmal verhüllt.

21
Doch nein, die Tugend kan nicht verstäuben.
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Wenn gleich der Leib im finstern vermodert,
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Und die anständgen Minen verschwinden,
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So lebet sie doch.

25
Du lebst mit ihr, du redlicher Thirsis,
26
Und die aus Neid sich kränckenden Feinde
27
Sehn dies und kehren schamroth den Rücken,
28
Um dich nicht zu sehn.

29
Denn dich entreißt vom Schicksaal des Pöbels
30
Die Freundschaft und die göttliche Dichtkunst.
31
Sie tragen dich auf flüchtigen Schwingen
32
Der Ewigkeit zu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Samuel Gotthold Lange
(17111781)

* 22.03.1711 in Halle (Saale), † 25.06.1781 in Könnern

männlich, geb. Lange

deutscher Dichter und Pietist

(Aus: Wikidata.org)

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