Die Stürme legen sich, die Luft wird wärmer

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Samuel Gotthold Lange: Die Stürme legen sich, die Luft wird wärmer Titel entspricht 1. Vers(1746)

1
Die Stürme legen sich, die Luft wird wärmer,
2
Die grünen Blätter kleiden schon die Aeste;
3
Die Luft riecht von der bunten Blüte wieder;
4
Nun schmückt sich das Jahr.

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Die brünstge Nachtigall lockt nun die Gattin,
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Der weisse Mondenschein erhellt die Nächte,
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Mit weichem Gras bepolstert sich der Rasen,
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Und wartet auf dich.

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Die Freundschaft und die Tugend, nebst der Dichtkunst
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Umfassen sich. In leichten frohen Reihen
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Berühren sie das Gras mit leichten Füssen,
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Und singen von dir.

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Auf grünem Blatt bringt Doris gelbe Butter,
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Und schneidet lächelnd Scheiben von dem Schincken.
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Zufriedenheit und ungeschminckt Vertrauen
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Versüssen die Kost.

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Hier, komm und setze dich zu deinem Damon,
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Und stimm dein scharffes Spiel etwas herunter.
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Bis es in meines klingt, und Doris, singe.
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Was fehlet uns denn?

21
Die Unschuld bringt in meines Hilas Minen,
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Liebkosend einen Strauß von Wiesenblümchen,
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Und lallt dir zu. Gefällt dir das mein Thirsis,
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So eile zu mir.

25
Sobald dich Pan von weiten wird erblicken,
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Wird er den Faunen und den Nymphen wincken,
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Die Zephyrs werden in den Blättern rauschen,
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Dich zu begrüssen.

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Der Schertz, die Anmuth, üben schon die Flügel,
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Und flattern dir auf halbem Weg entgegen,
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Und kommen noch einmal so munter wieder
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Mit dir zurücke.

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Wir sorgen nicht, wer noch wird Kaiser werden;
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Ob Franckreich auch im Ernst den Frieden liebe.
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Die Ruh, die Dichtkunst, und ein gut Gewissen,
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Raubt uns kein Schicksal.

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Und würde Mars uns dreye nicht verschonen,
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So würde Doris ihren Hilas tragen,
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Wir beyde führten sie, und suchten singend
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Einsame Wüsten.

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Und da bewohnten wir Dianens Grotten,
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Und holten frölich Wasser, Holtz und Kräuter.
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Entfernt von Lastern, unter deinen Lehren,
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Erwüchse mein Kind.

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Die Engel würden oft bey deinem Spiele,
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In jugendlicher Schönheit, bey uns sichtbar,
47
Mit ihrer Harf bey unsrer Flöt und Leyer
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Den Vater zu loben.

49
Da sähn wir auch in hundert graden Bäumen
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Den eingeschnittnen Namen Doris wachsen;
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Das scheuhe Wild, bezähmt durch unser Singen,
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Diente uns willig.

53
So wohnten in der güldnen Zeit die Dichter,
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In heilgen Hainen lehrten sie die Schäfer,
55
Der weite Wald erklang durch Lieder
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Von Gott und Unschuld.

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Hier würd uns keine Macht des Todes trennen,
58
Er fände uns mit fest umschlungnen Armen,
59
Derselbe Augenblick versetzt uns dreye
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In die Oberwelt.

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Mit Ehrfurcht würden dann die greisen Hirten
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Den Kindern unsers Grabes Hügel zeigen,
63
Und sagen; daß man da, bey heitern Nächten,
64
Oft Lieder höre!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Samuel Gotthold Lange
(17111781)

* 22.03.1711 in Halle (Saale), † 25.06.1781 in Könnern

männlich, geb. Lange

deutscher Dichter und Pietist

(Aus: Wikidata.org)

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