Auch ich mein Thirsis greiffe nach dem Lorbeer

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Samuel Gotthold Lange: Auch ich mein Thirsis greiffe nach dem Lorbeer Titel entspricht 1. Vers(1746)

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Auch ich mein Thirsis greiffe nach dem Lorbeer;
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Ich habe muthiger als Herkules
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Den alten Vorurtheilen angesieget.
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Die harte Clio wird mir nun geneigter,
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Sie ist der unbewegten Treu gewichen,
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Und ihre, mir zwar nicht geschenckte, Gunst
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Darf ich doch einmahl zu erlangen hoffen.

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Du aber wirst wohl meinen Stoltz befahren;
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Du schaust mitleidig von der Höh herab,
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Und siehst das Zittern meiner schwachen Knochen,
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Und die dem schwachen Fuß zu schwere Mühe;
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Doch, siehst du nicht, wie, an dem rechten Arme
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Horatz, mich leitend, geht? Wie er mein Spiel
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Selbst stimmt, und mir die hohen Griffe zeiget?

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Lezt war ich an der Doris Seit entschlafen;
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Als Flaccus nebst der Clio zu mir kam.
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Der Epheu beugte sich um seine Scheitel,
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Ein Römisches Gewand floß von den Schultern.
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Ich sahe sein dir ähnliches Gesichte;
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Nur strich er langsam an dem Boden hin,
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Und warf auf mich die aufmercksamen Augen.

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Du, der mein Lied, sprach er, allein erhöhet,
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Ich sehe deinen Schweiß mitleidig an;
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Du wilst mein Römisch Spiel die Deutschen lehren,
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Das du nicht durch den leeren Reim verstimmest;
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Du gibst dir Müh dich in die Höh zu schwingen;
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So gehst du mir auf allen Schritten nach,
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Drum will jetzt Clio deinen Wunsch erfüllen.

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Drauf gab er mir die krumme Lesbsche Leyer;
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Ich griff begierig zu. Es wich der Schlaf.
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Ich fühlt in meiner Brust ein feurig Rasen,
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Mit flüchtgen Schwingen steig ich in die Höhe
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Und sehe unter mir den trägen Pöbel,
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Und liege schwebend sicher auf der Luft,
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Und übe die noch ungewohnten Flügel.

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So fühlt der kühne Adler sich zum ersten,
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Wenn nun sein nackter Flügel sich verkielt.
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Er schlägt die Fittige, die er versuchet,
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Und fliegt erst furchtsam auf die nächsten Aeste,
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Von dannen hebt er sich begierig weiter,
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Und steiget auf den nächsten hohen Baum,
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Und sieht den Himmel und den Wald verwundernd.

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Hier wird mein Blick des hellen Lichts gewohnet;
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Dann eilt mein Flug mit starckem Schwung zur Sonne
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Du bist mein unerschrockener Gefährt,
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Und ungekränckt, daß uns kein König höret,
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Daß uns kein pöbelhafter Dichter schätzet,
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Sehn wir, durch den wahrsagenden Apoll,
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Die uns geweihten späten Ehren-Mähler.

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Die Nachwelt nennet keinen von uns beyden
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Allein. Mein Lob ist deinem fest verknüpft.
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Du auf der scharfen Flöt, ich auf der Leyer,
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Verdunckeln die, die ich hier nennen würde,
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Wenn nicht mein ewiges Gedicht der Nachwelt
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Durch manches einsten unbekannten Namen,
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Den jetzt der Pöbel ehret, dunckel würde.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Samuel Gotthold Lange
(17111781)

* 22.03.1711 in Halle (Saale), † 25.06.1781 in Könnern

männlich, geb. Lange

deutscher Dichter und Pietist

(Aus: Wikidata.org)

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