Prolog

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Nikolaus Lenau: Prolog (1843)

1
Schnell ist die Tat dem Aug des Tags entschwunden,
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Doch ist sie nicht verloren und zunichte;
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Sie bleibt, als hätt ein Zauber sie gebunden,
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Gefesselt von dem Auge der Geschichte.
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Sein Strahl ruht liebend, lohnend auf dem Guten,
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Vor dieses ernsten Auges Zornesgluten
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Ist das Gewölk der Lüge bald zerronnen,
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Das hüllend um den Frevler ward gesponnen.
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Gesegnet und gefeiert sei der Mann,
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Der frei in dieses Auge blicken kann;
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Und wenn es freudig ihm entgegenglänzet,
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Verdient er, daß die Menschheit ihn bekränzet. –

13
Napoleon stand auf den Marchfeldsflächen,
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Mit seinen Heldenscharen, Heeresmeistern,
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Umrauscht, umflammt von allen Siegesgeistern,
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Und fest entschlossen, Deutschlands Herz zu brechen.
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Wie bebte dieses Herz vor seinem Tritte,
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Das Völkerband vor seinem Todesschnitte!
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Sein Wort gebot den Mächten dieser Erde,
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Mehr als des Rechts altheiliger Bestand
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Galt seines Munds ein Hauch, sein Wink, der Hand
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Beglückende, vernichtende Gebärde.
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Vom Königszittern schwankten rings die Thronen,
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Und eine Wanderlust ergriff die Kronen,
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Wie Vögel im Spätjahr der Reisezug,
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Als er die alte Welt in Trümmer schlug. –

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»bald stürzt vor mir und meinem starken Heer
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Der Leopard Britannias ins Meer!
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Der Briten Stolz verwandle ich in Gram
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Und ihren Taumelkelch zur Tränenurne;
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Hispania liegt zu meinen Füßen zahm,
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Und wischt den Schlachtenstaub mir vom Kothurne
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Mit ihrem weichen aufgelösten Haare;
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Auf Lisbons Zinnen setz ich meine Aare;
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Und Deutschland –« Halt! bei Aspern mußt du fragen,
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Wie deutsche Herzen, deutsche Schwerter schlagen!
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Dort zeigt sichs bald in blutigen Gewittern,
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Ob du ganz ungelehrig für das Zittern!
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Dort steht ein Fürst, ein gottgeadelt-echter,
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Wie selten ihn gezeugt die Hochgeschlechter;
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Der Brennpunkt jeder Freude, jedem Schmerz
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Des Vaterlands ist sein geweihtes Herz;
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Er ist an Heldenkraft selbst dir gemessen,
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Doch eines schmückt ihn schön, was dir gebricht,
45
In seinem Herzen brennt der Liebe Licht,
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Und nie hat er der Menschlichkeit vergessen! – –

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Napoleon stand auf dem Marchfeldboden,
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Für
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Schon lag erobert Wien zu seinen Gnaden,
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Mit Herzensangst, mit Schmach und Not beladen.
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Geharnischt ritten durch die bange Stadt
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Napoleons erlesne Kürassiere,
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Die Erde bebte vom Gestampf der Tiere,
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Der Schrecken sah an ihnen sich nicht satt.
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Sie ritten, stolz auf sich und ihren Herrn,
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Und gern beglänzt vom deutschen Sonnenstrahle,
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Furchtbar dahin, in blanker Eisenschale
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Des Kaiserheeres tödlich bittrer Kern.

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Und als sie kamen auf das Feld der Schlacht
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Und bodenschütternd sprengten an mit Macht,
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Da stemmten Ostreichs tapfre Bataillone
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Wie felsgequadert sich dem Reiterheer,
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Sie standen still, geschultert das Gewehr
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Auf wenig Schritte noch, als wie zum Hohne.
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Der Reiterschock auch plötzlich stille stand,
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Erstaunt, als zweifelten sie scheu und bange,
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Ob nicht in dieser starren Männerwand
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Ein furchtlos Geisterheer sie kalt empfange.
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Doch sollen sie bald bitterlich erfahren,
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Wie kernhart und lebendig diese Scharen.
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Denn »Feuer!« schallts, und Salvendonner schmettern,
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Und rasselnd stürzen Roß und Mann zum Grunde,
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Der, weithin schlitternd von den Todeswettern,
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Vor Freude bebt in dieser großen Stunde.
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Und
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Wo er die Seinen sieht im Streite wanken,
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Im wildesten Getümmel hier und dort,
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Schnell, feurig, wie von Gott ein Siegsgedanken.
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Die Fahne schwankt, im dichten Pulverdampfe,
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Da faßt er sie und trägt sie selbst zum Kampfe.
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Wie hat er stets das rechte Wort gefunden,
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Die Herzen seiner Krieger zu entflammen!
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Da raffte mancher letzte Kraft zusammen
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Und trug zum neuen Sturm die Todeswunden.
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Heiß war der Kampf um jenes Dorf entglommen,
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Zehnmal gestürmt, verloren, und genommen
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Ward jedes Haus, der Kirchhof, jede Scheune,
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Man focht um einzle Bäume, Mauern, Zäune,
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Den besten Helden aller Zeiten gleich,
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Als wäre jeder Punkt ein Himmelreich.
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In Rauch und Blut schien sich die Welt zu baden,
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Die Trommeln wirbeln ohne Rast zum Laden,
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Im Qualme blitzt der Schüsse roter Schimmer,
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Ein Strom von Donnern rollt das Feuer immer.
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Kolonnen stürzen zwischen Bajonette,
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Dem Vaterland zu brechen seine Kette. –
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Wie rang in Wien die Hoffnung mit dem Trauern,
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Sie lauschten dem Verhängnis von den Mauern,
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Ob ferner die Kanonenschüsse grollen,
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Ob tröstend ihre Donner näher rollen. –

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Nun ward es still; die Luft muß müde sein
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Vom tausendstimmig wilden Todesschrein;
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Nur manchmal ruft ein Posten, eine Wacht,
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Ein Stöhnen auf der Walstatt, ausgestoßen
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Von wundgeschlagnen Menschen oder Rossen,
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Dann wieder schweigt es, finster ist die Nacht.

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Er ist besiegt, der Revolution
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Gewaltger, muttermörderischer Sohn,
109
Der Riesige, der Frankreichs Freiheitsbäume
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Zum Throne sich gezimmert und geschlichtet,
111
Der Herkules, der wilder Freiheitsträume
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Stymphalisches Geflügel hat vernichtet.

113
Er ist besiegt, ihn trägt in leichtem Kahn
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Die Donau rettend nach der Inselbucht,
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Und eine Fackel leuchtet seiner Flucht,
116
Zu Füßen liegt ihm sein zerbrochner Wahn;
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Gleichgültig blickt er nieder auf die Leichen,
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Die mit den Wellen ihm vorüberstreichen;
119
Da lischt die Fackel aus im Windeswehen,
120
Wie seine Herrlichkeit einst wird vergehen. –
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Noch wollte ihn der dunkle Strom erhalten,
122
Er trug ihn eigenmächtig ans Gestade,
123
Denn damals waren die Naturgewalten
124
Noch nicht verschworen gegen seine Pfade.

125
Was
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Weiß nur des Schicksals Liebling, nur ein Held,
127
Der auch wie er, den Degen in der Hand,
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Und Gottes Geist im Haupt, fürs Vaterland
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Mit
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Aus Schmerz und Schmach, worin es lag gekettet.
131
Mag immerhin nach Asperns blutger Schlacht
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Der stolze Feind erheben seine Macht,
133
Aufwerfen siegreich seine Heldenfahne,
134
Sie blieb doch krank vom schüttelnden Orkane.
135
Die Donner Asperns habens ausgesprochen:
136
»er ist besiegbar!« unvergeßlich allen,
137
Und Leipzig wird die Donner widerhallen;
138
Napoleons Waffenzauber war gebrochen.
139
O Karl! es war dein schönster Heldentag!
140
O Österreich! dein höchster Herzensschlag! – –

141
Der Feldherr gab dem Frieden seine Wehre;
142
Und weiter schuf an seinem edlen Bilde
143
Im stillen das Geschick; der Schreck der Heere
144
Steht nun vor uns ein Held an frommer Milde.
145
Für jeden, den er schlug auf rauher Bahn,
146
Lebt einer, der ihm freundlich wohlgetan.
147
Er zeichnete, entrückt den Tatenflügen,
148
Gedächtnisblätter, Kriegern zur Belehrung,
149
Und schauen wird die Nachwelt mit Verehrung,
150
Wie er sein Heer geführt in Meisterzügen.

151
Ihm ward auch Gram zu seinem Teil gegeben,
152
Und Bitterkeit geträufelt in das Leben;
153
Doch un verkümmert blieb der edle Mann,
154
Denn seine Seele hielt die Welt umschlossen,
155
Die bösen Tropfen schwanden und zerflossen,
156
Wie man das Weltmeer nicht vergiften kann;
157
Und Freude muß die Seele ihm bewegen,
158
Erblickt er seines Hauses reichen Segen,
159
Und wie das Volk ihn hoch im Herzen hielt,
160
Noch eh sein Sterbliches dahingegangen;
161
Wir sind beglückt, daß wir sein Heldenbild
162
Nicht aus der Hand des Todes erst empfangen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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