Fahr wohl, fahr hin, o Jahr! nimm fort mit dir im Scheiden

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Nikolaus Lenau: Fahr wohl, fahr hin, o Jahr! nimm fort mit dir im Scheiden Titel entspricht 1. Vers(1839)

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Fahr wohl, fahr hin, o Jahr! nimm fort mit dir im Scheiden
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All deine Lust, nur laß nicht liegen mir die Leiden!

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O könnt ich hinter dir die Pforte schließen, – hören,
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Wie deine Tritte sich in stiller Nacht verlören!

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Jetzt nah und schon so fern, wie auf der Flucht ein Reiter,
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Daß mein Gedächtnis, müd, nicht folgen könnte weiter,

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Wie einem Reitersmann des Weges noch ein Stücke
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Nachbellend folgt der Hund, und still dann kehrt zurücke!

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Doch ist dies eitler Wahn, des Weges nimmer müde,
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Folgt deinen Spuren nach, wohl bis er stirbt, mein Rüde.

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Fahr hin, unholdes Jahr! mir warst du von den schlimmen;
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Es mögen andre dir ein Liedlein Dankes stimmen.

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Die andern?! – strafend will die Scham mich überkommen,
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Daß ich, was andern frommt, nicht mir auch ließe frommen.

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Was gilt mein Körnlein Schmerz, was gilt mein Lüftchen Klage,
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O scheidend Jahr, wenn ich den letzten Gruß dir sage?

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Doch läßt mein Herz auch nur vom Weltgeschick sich führen,
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Kann mich dein Scheiden nicht zu Dankestränen rühren.

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Zwar hieß dein wahres Wort manch Lügenbild erblassen,
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Doch war dein Lieben matt, doch war zu kühl dein Hassen.

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Zwar hast du unserm Heil den Weg gebahnt von Eisen;
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Doch eisern mochte nicht dein Wille sich erweisen.

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Noch fährt der Nachtgeist fort zu siegen und zu schrecken,
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Auf neuen Feldern stets sein Lager abzustecken.

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Eins sei gebeten, Jahr: was du getan, gesonnen,
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Verlaufe nicht im Sand wie Wein zerschlagner Tonnen.

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Wenn die Ablöse kommt, das neue Jahr von Osten,
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Und nimmt an deiner Statt den Erdenwacheposten,

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So murmle nicht zu dumpf die geltende Parole
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In den bereiften Bart, daß sie der Wind nicht hole;

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Damit dein Nachmann fein einhellig sich gebare,
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In deinem Segensspruch nicht fluchend weiter fahre,

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Und nicht, wo du geflucht, ins Knie anbetend sinke,
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Und nicht, was du verscheucht, zurück liebkosend winke;

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Und wo du Funken warfst, die glücklich schon gezündet,
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Wo schon der Rauch für bald den Flammenschlag verkündet,

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Da soll das neue Jahr nicht schrecken vor dem Rauche,
38
Nicht löschen feig stupid mit seinem Wasserschlauche!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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