1.

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Nikolaus Lenau: 1. (1840)

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Ruhig ist der Wald bei Trocznow
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In der abendlichen Stunde,
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Alle Wipfel sind so stille,
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Wie die Wurzeln tief im Grunde.

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In Gedanken naht ein Reiter,
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Um den Arm den Zaum geschlungen,
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Schlendernd senkt den Kopf sein Rappe
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In Gedankendämmerungen.

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Plötzlich hält der Reiter inne,
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Wie erwacht aus einem Traume,
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Schreitet ab und zieht den Degen,
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Spricht an einem Eichenbaume:

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»hier an dieser festen Eiche
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Hat in einer Wetternacht,
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Überrascht von scharfen Wehen,
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Mutter mich zur Welt gebracht.

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Nur der Wald vernahm ihr Kreißen,
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Windsbraut war die Hebeamme,
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Und sie goß dem Kinde segnend
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Übers Haupt die Blitzesflamme.

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Für Geschosse mich zu stärken
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Und ein hartes Heldenlos,
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Schlug der Hagel meiner Mutter
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In den schmerzgesprengten Schoß.

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Donner war mein erstes Hören,
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Sturm mein erster Atemzug;
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Als ein rauher Wettersäugling
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Nehm ich meinen Heldenflug.

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Huß! an dieser festen Eiche
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Schwör ich Rache deinem Tod;
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Huß! vom Blute deiner Schergen
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Wird es bald auf Erden rot.

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Huß! so reich aus ihren Adern
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Soll das Blut zu Boden laufen,
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Daß es hundertmal dir könnte
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Löschen deinen Scheiterhaufen.

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Huß! vom Brandschutt ihrer Burgen
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Soll die Erde schwarz sich färben;
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Wo ich einen Priester treffe,
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Soll er fallen, soll er sterben.

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Rotgebeizt von Raucheswolken
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Soll des Himmels Aug sich trüben,
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Weil sie durften solchen Frevel
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Ihm ins Angesicht verüben.

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Mir im Herzen brennt ein Funken,
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Huß! von deinem Todesfeuer,
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Unauslöschbar; wie der Frevel
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Sei die Rache ungeheuer.

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Mann des Lichtes, Mann der Freiheit,
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Bester, den die Welt getragen,
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Schnöd verraten, hingerichtet! –
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Mordend will ich um dich klagen.

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O wie still die Lüfte Böhmens
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Horchen meinem Racheschwören,
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Und die vaterländschen Blätter
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Wollen mein Gelübde hören.

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Leib und Seele will ich brauchen,
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Schwert und Flammen und Geschoß,
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Bis ich sterbe – hör es, Böhmen!
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Stille! stampfe nicht, mein Roß!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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