1.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Nikolaus Lenau: 1. (1837)

1
Von der Theiß, der klaren, fischereichen,
2
Ist der Geiger Mischka hingezogen,
3
Wo der Marosch barsche Wogen
4
Brausend durch beschäumte Klippen streichen.

5
Der Zigeuner wandert, arm und heiter,
6
In die Ferne, Fremde, fort und weiter;
7
Wenn er auch am Wohlgeschmack der Erde
8
Karg und selten nur sich weidet,
9
Ist ihm jeder Ort doch bald entleidet,
10
Und was heimisch, wird ihm zur Beschwerde;
11
Wenig brauchend kommt und geht
12
Dieser fiedelnde Aszet.

13
Mischkas Hüttlein mit dem Halmendach
14
Ragt empor vom Grund nur wenig Spannen,
15
Und vorüber wild und jach
16
Stürzt die Marosch durch die Felsen, Tannen.

17
Horch, wie rauschen Mischkas helle Saiten
18
Unter diesen Halmen, die vorzeiten
19
Bei dem Klang der Lerchenlieder
20
Auf dem Feld sich wiegten hin und wider.

21
Nicht allein an Schall und süßen Weisen
22
Ist dies niedre Hüttlein reich zu preisen;
23
Strahlen hegt es auch in Fülle,
24
Wie sie aus den schönsten Welten
25
Uns herüber, flüchtig, selten,
26
Leuchten durch die Menschenhülle.

27
Mischkas treues Liebchen ruht im Grabe;
28
Doch sie ließ zur Abschiedsgabe
29
Seines Glücks ihm einen teuren Rest,
30
Daß sein Herz sich minder härme;
31
Wie die holde Sommerwärme
32
Sterbend ihre Frucht uns läßt.

33
Mischka geigt, und seine hellen Töne
34
Trägt hinaus der Abendwind;
35
Vor der Hütte steht die wunderschöne
36
Mira, das Zigeunerkind.

37
Die vom Abendrot Geküßte
38
Ist vom leichten West umflogen,
39
Und es flattert um der Brüste
40
Melodiegeschwellte Wogen
41
Ihres Haars gelockte Nacht;
42
O, wenn diese schöne Brust erwacht!
43
Dieses Busens keusche Wellen,
44
Die noch Liebe nie empfanden,
45
Selig, wem sie einst entgegenschwellen
46
Und ans Herz im Sturm der Liebe branden!
47
Selig, wer aus diesen schwarzen Augen
48
Darf den ersten Blitz der Leidenschaft
49
Und aus diesem Mund ein Flüstern saugen,
50
Süß und wonneirr und zauberhaft,
51
Daß der Cherub beim Gesang der Worte
52
Sinkt in Schlummer an des Edens Pforte!
53
Bald doch, bald die Worte unter Küssen
54
In ein süßres Leben sterben müssen! –
55
Also glühen die Gedanken
56
Durch die Brust dem Liebeskranken;
57
Einsam dort am Waldessaume,
58
Harrt und lauscht er unterm Baume,
59
Ob kein Rascheln aus dem Tannengrunde
60
Ihm ein Wild verrät, zur Abendstunde
61
Sachte auf den freien Anger schreitend,
62
Freundlich aus dem Wald den Tag begleitend.

63
Und er stellt dem Liebesglück ein Zeichen:
64
Wenn ich heut ein edles Wild noch schieße,
65
Werd ich meinen heißen Wunsch erreichen,
66
Daß ich sie in meine Arme schließe.

67
Sieh dort eine braune Wohlgestalt,
68
Ruhig kommt ein Hirsch dort aus dem Wald,
69
Daß der Jäger kann die Enden zählen:
70
»sechzehn! – sollens
71
Gott der Liebe, laß mich jetzt nicht fehlen!
72
Ha! er stürzt, halloh! nun ist sie mein!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.